Knüppel aus dem Sack

Rezension │ Ein neuer Sammelband fragt, warum viele Polizist*innen der AfD zuneigen. Nachvollziehbare Antworten liefert das Buch, das unter anderem durch den sächsischen Landtagsabgeordneten Sebastian Wippel herausgegeben wurde, leider nicht. Dafür bietet es erstaunlich ehrliche, mitunter unangenehme Einblicke in eine zutiefst autoritäre Gesinnung. Die Sicherheitspolitik der Partei fordert Einsatzkräfte, die nicht „Freund und Helfer“ sind – sondern Gehorsam bewaffnet erzwingen. Continue reading Knüppel aus dem Sack

Aufgeblättert: Wahlen, und dann?

Die neue Ausgabe von „Sachsen rechts unten“ des Kulturbüro Sachsen beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Kommunalwahlen im vergangenen Jahr, bei denen die AfD in vielen Orten stärkste Kraft geworden ist. Das merkt man inzwischen deutlich: Ausgehend von ihrer starken Basis in den Kommunalparlamenten geht die Partei zunehmend gegen Jugend- und Kulturarbeit, gegen Initiativen für politische Bildung und die kritische Zivilgesellschaft vor. Die lesenswerten Vor-Ort-Berichte in der Broschüre analysieren das Vorgehen.

Sachsen rechts unten 2020, 48 Seiten, kostenlos zu beziehen beim Kulturbüro Sachsen. Die ebenfalls lesenswerten Ausgaben der Vorjahre sind als Download erhältlich.

Aufgeblättert: AfD & Faschismus

Mit dem Aufschwung extrem rechter Bewegungen und Parteien ist der Begriff „Faschismus“ wieder ins politische Blickfeld geraten – und mit ihm große Unklarheit über den Bedeutungsgehalt. Ihn ergründet die neue Studie der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler und Michael Fehrenschild. Sie diskutieren auch, ob der Begriff für die Einordnung und Analyse der AfD taugt. Aus ihrer Sicht ist sie keine „genuin neofaschistische Partei“, entwickelt sich aber zum „parteipolitischen Dach einer völkisch-rassistischen Bewegung“.

Faschismus in Geschichte und Gegenwart. Ein vergleichender Überblick zur Tauglichkeit eines umstrittenen Begriffs, 155 Seiten, erhältlich als kostenloser Download.

Aufgeblättert: Blaue Kommunalpolitik

Die AfD ist auch im kommunalen Raum stark, Vertreter*innen der Partei sitzen in zahlreichen Stadt- und Gemeinderäten. Sie erhalten dort Einblicke, entscheiden mit. Welche Gründe und welche Auswirkungen hat die oft übersehene Verankerung der Partei vor Ort? Das Projekt chronik.LE beleuchtet in einer Broschüre die Entwicklungen in der Stadt Leipzig und in den angrenzenden Landkreisen Leipzig und Nordsachsen ausführlich. Die Artikel im Heft liefern nützliche Fakten, informative Einblicke und – teils streitbare – Deutungen.

Rechtsaußen in der Kommunalpolitik, 64 Seiten, erhältlich als kostenloser Download.

Aufgeblättert: „Juden in der AfD“

Es gibt sie wirklich, eine Gruppe namens „Juden in der AfD“ (JAfD), die sei 2018 als Verein organisiert ist. Der Politikwissenschaftler Gideon Botsch, der die Emil-Julius-Gumbel-Forschungsstelle für Antisemitismus und Rechtsextremismus an der Universität Potsdam leitet, hat dazu erstmals eine kritische Studie vorgelegt. Botsch zeigt, dass die JAfD aus guten Grünen einen schlechten Ruf in jüdischen Communities genießen: Die Gruppe verharmlost die Existenz und die Bedeutung des Antisemitismus von rechts.

Mitteilungen der EJGF, Ausgabe 7, April 2020, erhältlich als kostenloser Download.

Aufgeblättert: AfD & extreme Rechte

Wo steht die AfD heute, sieben Jahre nach ihrer Gründung? In einem aktuellen Paper bilanziert der Politikwissenschaftler Fabian Virchow, der dazu seit Jahren an der Hochschule Düsseldorf forscht, kompakt und gut verständlich die Entstehung und Entwicklung sowie die Ausrichtungen und Auswirkungen dieser Partei. Wesentliches Ergebnis: Die AfD hat sich nicht nur stark radikalisiert – sie ist heute die Partei der extremen Rechten. Eine Mäßigung in der Zukunft? Scheint ausgeschlossen zu sein.

Erschienen in der Reihe Notes du Cerfa, Nr. 152, des Französischen Instituts für Internationale Beziehungen (Ifri), erhältlich als kostenloser Download.

Aufgeblättert: Sprachrohre der AfD

„Deutsche Kopflanger“, ein Brecht-Wort als Analogie zum Handlanger, ist das Titelthema der aktuellen Ausgabe der diskurstheoretischen Zeitschrift kultuRRevolution. Gemeint sind Anbieter*innen intellektueller und ideologischer Produkte. Im Mittelpunkt des Heftes stehen die AfD, ihre Sprachrohre und publizistischen Vorfelder. Die akademischen Beiträge widmen sich u.a. dem Pegida-Versteher Werner Patzelt, dem Extremismustheoretiker Eckhard Jesse und Jürgen Elsässers rechtsradikalem Compact-Magazin. Von grundlegender Bedeutung ist der Artikel von Vanessa Angenendt über den Sprachgebrauch der AfD an den Beispielen Gaulands und Höckes.

kultuRRevolution, Heft 77/78, 132 Seiten, zu beziehen über die Website der Zeitschrift.

Aufgeblättert: Neuer Parteichef

Die aktuelle Ausgabe des bekannten antifaschistischen Magazins Der Rechte Rand enthält u.a. Einstiegs- und Überblicksartikel zum Zustand Pegidas, zur Bedeutung des neurechten Think Tanks „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda und zum Rechtstrend in Teilen der Unionsparteien. Beleuchtet werden auch jüngste Entwicklungen in der AfD. Hinzu kommt ein kompaktes Porträt des neuen Parteichefs Tino Chrupalla, der aus Sachsen stammt.

Der Rechte Rand, Ausgabe 182, 40 Seiten, zu beziehen über die Website der Zeitschrift und im gut sortierten Handel.

Aufgeblättert: Neue Rechte & AfD

Die Neue Rechte ist das Schwerpunktthema in der aktuellen Ausgabe der Widerspruch – Münchner Zeitschrift für Philosophie. Zentral ist der Beitrag von Helmut Kellershohn (DISS Duisburg) über die wirtschats- und sozialpolitische Debatte innerhalb der AfD. Sie schlägt sich unter anderem in widerstreitenden Konzepten zum Rentensystem nieder – ein Thema, das die AfD bei einem eigenen Parteitag klären will und in das Protagonist*innen der Neuen Rechten sowie Anhänger*innen der sogenannten Konservativen Revolution ihre keineswegs einheitlichen ideologischen Expertisen einbringen. Mitunter handelt es sich um verschiedene Spielarten einer „Kapitalismuskritik von rechts“. Für einen der dabei relevanten Diskursstränge steht Felix Menzel, der für die sächsische AfD-Landtagsfraktion arbeitet (idas berichtete).

Widerspruch, Heft 68, 166 Seiten, zu beziehen über die Website der Zeitschrift.