{"id":859,"date":"2020-03-18T14:27:09","date_gmt":"2020-03-18T13:27:09","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=859"},"modified":"2020-03-18T14:50:12","modified_gmt":"2020-03-18T13:50:12","slug":"landtagssitzung-zur-pandemie-harte-kritik-an-profilierungssucht-der-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=859","title":{"rendered":"Landtagssitzung zur Pandemie: Harte Kritik an &#8222;Profilierungssucht&#8220; der AfD"},"content":{"rendered":"<p>In Dresden trat heute der Landtag zusammen, die AfD hat darauf bestanden. Die demokratischen Fraktionen bekr\u00e4ftigten bei der Sitzung, angesichts der aktuellen Pandemie zusammenzustehen. Den Krisenpl\u00e4nen der extremen Rechten erteilten sie eine deutliche Absage.<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<p>Es war eine ungew\u00f6hnliche Sitzung, zu der das Landesparlament in Dresden zusammengekommen ist, und vielleicht auch f\u00fcr einige Zeit die letzte. Die AfD hatte darauf bestanden, dass sich die Abgeordneten und zahlreiche Mitarbeiter*innen in voller St\u00e4rke versammeln m\u00fcssen und das Plenum zur gr\u00f6\u00dften Veranstaltung wird, die heute im Freistaat stattfinden darf. Dabei hatte das \u00f6rtliche Gesundheitsamt das Risiko schon vor mehreren Tagen als &#8222;hoch&#8220; eingestuft.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">&#8222;Nicht mehr erreichbar f\u00fcr rationale Argumente&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>Valentin Lippmann, Innenpolitiker der Gr\u00fcnen, r\u00fcgte gleich zu Beginn, dass die AfD &#8222;ohne Not, ohne Sinn und ohne Verstand&#8220; den Landtag antreten lasse. Nicht verwunderlich war es daher, dass in allen Fraktionsreihen St\u00fchle leer geblieben sind. Aus der AfD-Fraktion fehlten Christiopher Hahn, Martina Jost, Wolfram Keil, Thomas Kirste, Ulrich Lupart und Gudrun Petzold. Die Abgeordnete Doreen Schwietzer, die ganz hinten rechts sitzt, nahm mit einer Gesichtsmaske platz. Schon vor mehreren Tagen hatte der AfD-Abgeordnete <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=264\">Carsten H\u00fctter<\/a> \u00f6ffentlich gefordert, das Plenum ganz abzublasen, entgegen der Linie seiner Fraktion.<\/p>\n<p>Die Sitzung begann um 10 Uhr mit einer Regierungserkl\u00e4rung. Der Ministerpr\u00e4sident Michael Kretschmer (CDU) ergriff angesichts der besonderen Lage selbst das Wort und erl\u00e4uterte, welche Ma\u00dfnahmen die Landesregierung umsetzt, um der Corona-Pandemie beizukommen. Dass in dieser Situation der gesamte Landtag zusammentreten m\u00fcsse, nannte er &#8222;unverantwortlich&#8220;. Am Schluss seiner Rede wandte sich Kretschmer mit scharfen Worten an die AfD: Er sei &#8222;entsetzt&#8220; zu sehen, dass man dort nicht in der Lage sei, &#8222;aus der eigenen Hybris auszubrechen.&#8220;<\/p>\n<p>Dann sprach er den Fraktions- und Landesvorsitzenden J\u00f6rg Urban direkt an und warf ihm vor, in einer Reihe zu stehen &#8222;mit H\u00f6cke in Th\u00fcringen, mit Kalbitz in Brandenburg&#8220;. Beide gelten <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=764\">seit kurzem<\/a> offiziell als &#8222;Rechtsextremisten&#8220;, sie sind Anf\u00fchrer des verfassungsfeindlichen AfD-Fl\u00fcgels, dem auch Urban angeh\u00f6rt. Kretschmer beschied ihm, &#8222;dass Sie sich so weit radikalisiert haben, dass Sie nicht mehr erreichbar sind f\u00fcr rationale Argumente&#8220;. Er k\u00f6nne sich nicht vorstellen, dass s\u00e4mtliche AfD-Abgeordneten &#8222;diesen Kurs richtig finden&#8220;, denn die erzwungene Sitzung &#8222;ist unmittelbar gef\u00e4hrlich f\u00fcr sehr, sehr viele Menschen.&#8220;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Urban warnt vor &#8222;Spaltern und Hetzern&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>J\u00f6rg Urban mochte das nicht auf sich sitzen lassen. Dass das Parlament heute mit so vielen Abgeordneten und trotz erheblicher Infektionsrisiken tagt, liege nicht an der AfD, sondern am z\u00f6gerlichen Handeln der Landesregierung und der Weigerung der anderen Fraktionen, weitergehende Schritte zu beschlie\u00dfen. Die &#8222;ersten zielgerichteten Ma\u00dfnahmen&#8220; in Sachsen seien zu sp\u00e4t veranlasst worden und das, was jetzt unternommen werde, spreche f\u00fcr &#8222;Z\u00f6gerlichkeit&#8220;. Schallendes Gel\u00e4chter brach aus, als Urban seine Rede mit den Worten beendete: &#8222;Folgen Sie in dieser Krise nicht weiter den Spaltern und Hetzern.&#8220;<\/p>\n<p>CDU-Fraktionschef Christian Hartmann entgegnete, die AfD habe zum Thema &#8222;au\u00dfer Panikdebatten nichts Konstruktives beizutragen.&#8220; Der Tenor unter allen demokratischen Fraktionen war klar: Die Bev\u00f6lkerung ist mit einer schweren Krise konfrontiert, aber nicht mit einer Katastrophe. Alle aktuellen Ma\u00dfnahmen dienen dazu, sie abzuwenden, und nicht, sie herbeizureden. Susanne Schaper, Sozialpolitiker der LINKEN, sah das \u00e4hnlich. Das Gesundheitssystem stehe unter erheblichem Druck, auch durch Sparma\u00dfnahmen in der Vergangenheit. Aber die &#8222;Profilierungssucht einer einzigen Fraktion&#8220; helfe jetzt nicht weiter. Eine deutliche Mehrheit lehnte im Anschluss einen Antrag der AfD-Fraktion ab, in dem gefordert wurde, den Katastrophenalarm auszul\u00f6sen \u2013 neben etlichen weiteren Ma\u00dfnahmen, die aber zum Teil bereits ergriffen worden sind.<\/p>\n<p>Weil der Antrag kurzfristig eingereicht wurde, musste zun\u00e4chst dessen Dringlichkeit festgestellt werden, um ihn \u00fcberhaupt behandeln zu k\u00f6nnen. Das gelang der AfD mit Stimmen der CDU, die das mit parlamentarischen Gepflogenheiten begr\u00fcndete. Dem noch weitergehenden Verlangen der AfD, aus dem Antrag einen eigenen Tagesordnungspunkt zu machen, erteilten die meisten Abgeordneten jedoch eine Absage. Dadurch w\u00e4re die Plenarsitzung, die sich zur Pandemie mehr als vier Stunden lang ausgetauscht hat, noch weiter verl\u00e4ngert worden. Ein zweiter Antrag der AfD zum gleichen Thema, der schon l\u00e4nger vorliegt und dem gefordert wird, Grenzen zu schlie\u00dfen und Migrant*innen in Zwangsquarant\u00e4ne zu nehmen, wurde ebenfalls abgelehnt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">AfD hat Sitzung erzwungen<\/span><\/h3>\n<p>Bis zuletzt stand es auf der Kippe, ob die Plenarsitzung in der gewohnten Form stattfindet. Bereits <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=837\">am Montag<\/a> hatten die Fraktionsspitzen lange beraten, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen wollen. Eine Verschiebung beider Sitzungstage in dieser Woche stand im Raum, der Landtagspr\u00e4sident Matthias R\u00f6\u00dfler (CDU) h\u00e4tte stattdessen \u2013 das war eine m\u00f6gliche L\u00f6sung \u2013 das sogenannte Notparlament einberufen k\u00f6nnen. Ihm geh\u00f6ren nur 21 Abgeordnete an, das Gremium wurde speziell f\u00fcr Krisenzeiten geschaffen. Alle Fraktionen gaben schnell gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Idee, wenn, dann in kleinstm\u00f6glicher Besetzung zu tagen.<\/p>\n<p>Au\u00dfer die AfD: Sie verhinderte einen Kompromiss und verlangte, dass unver\u00e4ndert alle 119 Abgeordneten zu einer regul\u00e4ren Sitzung einberufen werden. Hinzu kommen noch einmal fast ebenso viele Mitarbeiter*innen. Weil die anderen Fraktionen bereit waren, ihre Debattenthemen und Antr\u00e4ge von der Tagesordnung zu nehmen, blieb nur noch ein Sitzungstag \u00fcbrig \u2013 der heutige Mittwoch, an dem nur das N\u00f6tigste behandelt werden sollte.<\/p>\n<p>Doch auch hier nahm die AfD eine Sonderrolle in Anspruch und hielt daran fest, dass ihre <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=812\">eigenen Initiativen zum Umgang mit der Pandemie<\/a> unbedingt behandelt und abgestimmt werden. Offenbar wollte die AfD Lohrbeeren einheimsen, indem das Parlament auf dieser Grundlage weitergehende Ma\u00dfnahmen beschlie\u00dft und den Katastrophenalarm ausl\u00f6st. Doch daf\u00fcr ist in Wirklichkeit gar kein Landtagsbeschluss n\u00f6tig, schon gar kein Antrag der AfD. Eine andere Frage ist, ob so ein Schritt im Moment n\u00fctzlich w\u00e4re.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Auch AfD-Abgeordnete hatten Infektionsangst<\/span><\/h3>\n<p>Mit dem Ziel, etwas aktuell N\u00fctzliches zu tun und das Risiko f\u00fcr alle Beteiligten zu minimieren, trafen sich die Fraktionsspitzen gestern erneut und diskutierten einen weiteren Vorschlag des Landtagspr\u00e4sidenten. Zuvor soll die AfD ausdr\u00fccklich signalisiert haben, offen f\u00fcr Verhandlungen zu sein. Beraten wurde dann, ob das Parlament in reduzierter Besetzung tagen k\u00f6nnte, so dass es gerade noch beschlussf\u00e4hig w\u00e4re. F\u00fcr das sogenannte Pairing-Verfahren h\u00e4tten alle Fraktionen einen Teil ihrer Abgeordneten nach einem Verteilungsschl\u00fcssel zur\u00fcckziehen m\u00fcssen, so dass die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse gewahrt bleiben.<\/p>\n<p>Doch auch dieser Versuch scheiterte an der Weigerungshaltung der AfD. Einem Mini-Plenum zustimmen wollte die Fraktion nur, wenn im Gegenzug ein AfD-Antrag angenommen wird. Offenbar wollte sich niemand derart n\u00f6tigen lassen, zumal das Abstimmungsverhalten die Sache der einzelnen Abgeordneten ist. Zu einer Einigung kam es folglich nicht.<\/p>\n<p>Kaum wurde bekannt, dass der Schlichtungsversuch geplatzt ist, gab es die n\u00e4chste und bisher schr\u00e4gste Wendung. In einer Pressemitteilung forderte Jan Zwerg, der Parlamentarische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der AfD-Fraktion, dass der Landtagspr\u00e4sident nun doch das Notparlament einberuft. Daf\u00fcr war es aber schon zu sp\u00e4t. M\u00f6glicher Grund f\u00fcr diese Rolle r\u00fcckw\u00e4rts: Zwischenzeitlich war durch Recherchen der Freien Presse bekannt geworden, dass mehrere AfD-Abgeordnete fraktionsintern angek\u00fcndigt haben, nicht zu erscheinen \u2013 aus Angst vor einer Infektion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Dresden trat heute der Landtag zusammen, die AfD hat darauf bestanden. Die demokratischen Fraktionen bekr\u00e4ftigten bei der Sitzung, angesichts der aktuellen Pandemie zusammenzustehen. 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