{"id":4829,"date":"2021-02-03T08:14:59","date_gmt":"2021-02-03T07:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=4829"},"modified":"2021-02-03T19:35:46","modified_gmt":"2021-02-03T18:35:46","slug":"moosdorfs-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=4829","title":{"rendered":"Moosdorfs Welt"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"background-color:#fcffc4\">&nbsp;<i>Portr\u00e4t<\/i>&nbsp;<\/span>\u2502 Matthias Moosdorf war ein gro\u00dfer Leipziger Musiker, dann ging er zur AfD. Er arbeitete erst im Landtag, dann im Bundestag. Dort will er bald selbst ein Mandat ergattern, als Direktkandidat in Zwickau und \u00fcber die s\u00e4chsische Landesliste. Doch der Erfolg ist ungewiss, sein rascher Aufstieg in der Partei l\u00e4ngst gebrochen \u2013 f\u00fcr ihn geht es jetzt um alles oder nichts. Wer ist dieser Mann?<!--more--><\/p>\n<hr \/>\n<p><small>Beitrag vom 03.02.2021, 8:15 Uhr \u2502 Im Bild: Matthias Moosdorf, Funktion\u00e4r und Kandidat der AfD.<\/small><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Kein zweites 2017<\/span><\/h3>\n<p>Die AfD ist immer f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut, im Gro\u00dfen wie im Kleinen. Eine dieser \u00dcberraschungen gab es Mitte Januar in der Kleinstadt Glauchau. Dorthin, in die Sachsenlandhalle, waren die rund 250 Mitglieder des Kreisverbands Zwickau eingeladen. Es kamen 85, und sie hatten nur eine Aufgabe: ausw\u00e4hlen, wer f\u00fcr sie in den Bundestagswahlkampf zieht und versucht, das Direktmandat im Wahlkreis 165 zu holen. Er umfasst mit Zwickau die viertgr\u00f6\u00dfte Stadt im Freistaat und weite Teile des umliegenden Landkreises, der genauso hei\u00dft. Die Region ist nicht der Nabel der Welt, kein Zentrum gro\u00dfer Politik. Doch rund 200.000 Wahlberechtigte leben hier, und die will die Partei nicht liegen lassen. Nicht schon wieder.<\/p>\n<p>Zur letzten Bundestagswahl gelang ein fl\u00e4chendeckender Antritt in Sachsen n\u00e4mlich nicht, und das lag an der Zwickauer AfD. Sie hatte damals zwar einen Direktkandidaten ausgesucht, Benjamin Przybylla hie\u00df der. Doch es gab Streit mit dem Rechtsau\u00dfen-Mann und seinen Unterst\u00fctzer*innen, man zog ihn wieder ab und er trat aus. In der Region konnte die AfD daher nur mit der Zweitstimme gew\u00e4hlt werden, mit 26 Prozent blieb die Partei unter dem Landesschnitt. Diesmal will man h\u00f6her hinaus, die 30-Prozent\u2013Marke peilt Landeschef J\u00f6rg Urban an, <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=4659\">beim bevorstehenden Landesparteitag in Dresden<\/a> wird er die Basis auf diese Symbolmarke einschw\u00f6ren. Fehler kann man sich auf dem Weg dahin nicht erlauben, und so kam dem kleinen Kreisparteitag gro\u00dfe Bedeutung zu.<\/p>\n<p>So gro\u00df, dass sogar die Bundesspitze in Glauchau empfangen werden sollte. Die beiden Vorsitzenden J\u00f6rg Meuthen und Tino Chrupalla wollten kommen, das k\u00fcndigte man zumindest an. Doch Meuthen dementierte, den Termin \u00fcberhaupt zu kennen. Chrupalla kannte ihn zwar, lie\u00df sich aber entschuldigen. Immerhin, mehrere Landtagsabgeordnete sa\u00dfen im Pr\u00e4sidium der Tagung und Jan-Oliver Zwerg, der Generalsekret\u00e4r der Sachsen-AfD, fungierte als Wahlleiter. Eine straffe Planung und Leitung solcher Treffen hat sich die Partei angew\u00f6hnt, nicht nur wegen Corona. Bei inzwischen vierzehn \u00e4hnlichen Veranstaltungen in den vergangenen Monaten, in denen Kandidierende f\u00fcr andere s\u00e4chsische Wahlkreise gesiebt wurden, gab es einige zeitraubende Kampfabstimmungen. <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=3861\">Mehrere aktuelle Bundestagsabgeordnete fielen dabei durch.<\/a><\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">\u201eKeine westdeutschen Verh\u00e4ltnisse\u201c in Zwickau<\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr Zwickau, so schien es vorher, gab es einen Kandidaten, der wie gemacht ist, 26 Jahre jung, vergleichsweise eloquent. Jonas D\u00fcnzel hei\u00dft er, man handelt ihn schon l\u00e4nger als Nachwuchstalent, bei n\u00e4chster Gelegenheit will er Bundeschef der Jungen Alternative werden. Er arbeitete eine Weile f\u00fcr den Landtagsabgeordneten Wolfram Keil, der auch Vorsitzender des Zwickauer AfD-Verbands ist. Inzwischen wechselte D\u00fcnzel in die Berliner Bundesgesch\u00e4ftsstelle. Ein Mandat hat er noch nie errungen, versucht hatte er es zur Europawahl vor zwei Jahren. Damals fiel er durch eine skurrile Werbeaktion auf: Als &#8222;Jonas aus Dresden&#8220; \u2013 dort arbeitete er als Vertriebsangestellter eines gro\u00dfen Versicherungsunternehmens \u2013 wollte er &#8222;Kandidat zum Anfassen&#8220; sein, r\u00e4kelte sich im Kerzenschein auf einem Bett, so zu sehen auf der Datingplattform &#8222;Tinder&#8220;. Das zahlte sich an der Wahlurne nicht aus.<\/p>\n<p>D\u00fcnzel kommt eigentlich weder aus Zwickau, noch aus Dresden, sondern aus Niesky im Landkreis G\u00f6rlitz. Aber man kennt ihn in Parteikreisen weithin, auch durch viele Auftritte als Moderator in Online-Werbefilmchen. Seine eigenen politischen Ziele erkl\u00e4rte er in Glauchau: &#8222;Ich m\u00f6chte keine westdeutschen Verh\u00e4ltnisse in unserem Kreis haben&#8220;, sagte er und warnte vor der Entstehung von \u201eParallelgesellschaften\u201c. Die Mitglieder klatschten an dieser Stelle. Dabei liegt der Anteil von Ausl\u00e4nder*innen an der Wohnbev\u00f6lkerung im Landkreis Zwickau bei gerade einmal drei Prozent.<\/p>\n<p>Doch D\u00fcnzel hatte Konkurrenten. Einer war Kay-Uwe Klepzig, von Beruf ein Physiker, der in Zwickau geboren wurde, vor einigen Jahren der AfD im th\u00fcringischen Gera beitrat und inzwischen in seine Heimatstadt zur\u00fcckgekehrt ist. Man kennt Klepzig, der in einem sozialen Netzwerk gewisse Sympathien f\u00fcr die verfassungsfeindliche Identit\u00e4re Bewegung erkennen l\u00e4sst, in der \u00d6ffentlichkeit kaum. Dabei ist er ein recht hoher Funktion\u00e4r, er leitet den AfD-Bundesfachausschuss &#8222;Klima, Energie, Technik und Digitalisierung&#8220;, hat dadurch direkten Einfluss auf die Programmatik der Partei. Sein Fachausschuss, kurz &#8222;BFA 10&#8220; genannt, vertritt gewagte Positionen, man leugnet den menschengemachten Klimawandel. Erst vor kurzem einigte sich der Arbeitskreis darauf, den Wiedereinstieg in die Kernkraft zu fordern.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Der \u00dcberraschungskandidat sticht alle aus<\/span><\/h3>\n<p>Der dritte Kandidat war Frank-Michael Trenkler, er kommt aus G\u00f6rlitz, man durfte mit ihm rechnen: K\u00fcrzlich war er bereits als m\u00f6glicher Direktkandidat f\u00fcr den Kreis Mei\u00dfen gehandelt worden, unterlag aber in einer Stichwahl. Lange war er als Unternehmer in Dresden aktiv, unter anderem mit einem Taxi-Service, und er ist Pegida-G\u00e4nger der ersten Stunde. Vor einigen Jahren tauchte seine Privatanschrift in der Kundenkartei eines Textilversands auf, bei dem man ausschlie\u00dflich Kleidung einer Marke kaufen kann, die in der rechten Szene getragen wird. Dass er etwas bestellt h\u00e4tte, ergibt sich daraus nicht und spielte in Glauchau keine Rolle. Dort musste Trenkler weit ausholen, warum er als Direktkandidat in der Region taugt. Er f\u00fchrte seine &#8222;Liebe zum Auto&#8220; an, das verbinde ihn mit Zwickau, dort werden schlie\u00dflich Autos gebaut, &#8222;und deshalb w\u00e4re ich genau der richtige Mann&#8220;. Seit 2018 arbeitet Trenkler im Fraktionsvorstandsb\u00fcro von Alice Weidel.<\/p>\n<p>Trenkler sorgte f\u00fcr die erste kleine \u00dcberraschung in Glauchau. Denn am Ende seiner rund zehnmin\u00fctigen Bewerbungsrede teilte er pl\u00f6tzlich mit, sich gerade alles anders \u00fcberlegt zu haben und doch nicht mit kandidieren zu wollen. Als Au\u00dfenstehender, das sei ihm jetzt klar, w\u00e4ren seine Chancen wohl gering. Als sp\u00e4ter gew\u00e4hlt wird, sind die Karten in der Tat recht klar verteilt: Mit nur vier Stimmen bleibt Kay-Uwe Klepzig chancenlos. Lokalmatador D\u00fcnzel kommt auf ein Vielfaches, auf 33 Stimmen. Doch das reichte nicht. Die meisten Stimmen, 47 und damit aus dem Stand die absolute Mehrheit, bekam ein vierter Kandidat. Er hei\u00dft Matthias Moosdorf. Er ist die gro\u00dfe \u00dcberraschung.<\/p>\n<p>Dass dieser Mann mit dem markanten Lockenkopf antreten w\u00fcrde, war in den Tagen zuvor nur ein Ger\u00fccht gewesen, nicht einmal ein plausibles. Denn mit Zwickau verbindet Moosdorf, der noch vor wenigen Jahren ein umjubelter Leipziger Cellist war, so gut wie nichts. Vor einem knappen Jahr wurde er <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=619\">in den Landesvorstand der s\u00e4chsischen AfD gew\u00e4hlt<\/a>, aber nur gerade so, mit etwas \u00fcber 50 Prozent. Danach war er f\u00fcr die Landesspitze als eine Art Emiss\u00e4r im Zwickauer Kreisverband unterwegs, um dort die Wogen zu gl\u00e4tten. Nach den Querelen um die vergeigte Bundestagskandidatur 2017 kehrte nie wieder Ruhe ein, jahrelange Machtk\u00e4mpfe \u00fcberschatteten die Parteiarbeit. Der H\u00f6hepunkt war Anfang 2020 erreicht, <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=566\">als die AfD ihr Urgestein Sven Itzek abs\u00e4gte<\/a> \u2013 den eigenen Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, den fr\u00fcheren Chef des Kreisverbands. <\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Moosdorf will 30 Prozent plus X<\/span><\/h3>\n<p>Auch Moosdorf hielt eine kurze Bewerbungsrede, lobte Zwickau in den h\u00f6chsten T\u00f6nen, er sprach von einer &#8222;unglaublich tollen Kulturstadt&#8220;. Seine eigene Verbindung in die Gegend sei denn auch &#8222;eine sehr kulturelle&#8220;: Er verwies auf den Komponisten Robert Schumann, der dort geboren wurde \u2013 obwohl praktisch dessen gesamtes musikalisches \u0152uvre erst entstand, nachdem er weggezogen war. Und Moosdorf warb f\u00fcr eine &#8222;neue Kultur der Debatte&#8220;, was immer das hei\u00dft. Falls er konkrete Vorstellungen hat, was genau er in Berlin f\u00fcr Zwickau erreichen will, behielt er sie bisher f\u00fcr sich. Dabei wird er als frisch gek\u00fcrter Direktkandidat bald liefern m\u00fcssen. Sein \u00e4rgster Konkurrent kommt von der CDU, Carsten K\u00f6rber. Dessen Erststimmenergebnis von 2017, fast 34 Prozent, wird schwer zu toppen sein.<\/p>\n<p>Das traut sich Moosdorf zu, er will sogar die Zielmarke, die sein Landesverband anpeilt, noch \u00fcberspringen \u2013 mit einem Direktwahlkampf, der &#8222;30 Prozent plus X&#8220; bringt, wie er sagte. Das klingt ambitioniert, ganz besonders, wenn man Moosdorf kennt. In den eigenen Reihen ist er nicht bekannt f\u00fcr kleinteilige Basisarbeit, nicht f\u00fcr Ochsentouren an Infost\u00e4nden, auf Markpl\u00e4tzen und in Landgasth\u00f6fen. Es ist \u00fcberhaupt das erste Mal, dass er sich um ein Mandat bewirbt. Trotzdem war er sich seines Plans gewiss. Schon gut eine Woche vor dem entscheidenden Termin in Glauchau legte er eine neue Facebookseite an: \u201eMatthias Moosdorf \u2013 Politiker\u201c. Er zeigt sich dort im Ma\u00dfanzug mit Einstecktuch, hinter ihm das private B\u00fccherregal. Eine DDR-Ausgabe von G\u00fcnter Wallraff ist zu sehen und Clemens Meyers Wendezeit-Roman &#8222;Als wir tr\u00e4umten&#8220;. Es gibt Fachb\u00fccher \u00fcber Beethoven, Gustav Mahler, Richard Wagner. Einige neuere Titel aus dem verschw\u00f6rungsideologischen Kopp-Verlag sind genauso zu erkennen wie Oswald Spenglers verh\u00e4ngnisvoller &#8222;Untergang des Abendlandes&#8220;. Und eine Goebbels-Biografie.<\/p>\n<p>Auch ein &#8222;Manifest&#8220; hat Moosdorf auf die neue Seite gestellt. &#8222;Mit brennender Sorge&#8220; warnt er darin vor einer &#8222;fundamentalen Krise&#8220;. Es tauchen alle Begriffe auf, die man erwartet: Es geht um &#8222;wachsende Gesinnungsjustiz zum Nachteil unseres Volkes&#8220;, beklagt wird &#8222;Selbstzensur aufgrund von Minderheitendiktaten&#8220; und eine &#8222;alles \u00fcberwuchernde Gesinnungsethik&#8220;. Doch wo immer es konkreter wird, drehen Ton und Sinn ins Plumpe; an zu viel Migration st\u00f6rt sich der Kandidat und an hohen Strompreisen auch. Er fordert eine &#8222;geistig-moralische Wende&#8220; und l\u00e4sst offen, wohin man sich wenden mag. Manches aus diesem Manifest hat Moosdorf in Glauchau vorgetragen. Tats\u00e4chlich ist der Text schon alt, er wurde fast identisch Ende 2019 abgedruckt in einem Buch voller Moosdorf-Texte. &#8222;Denken als Alternative&#8220; hei\u00dfen die gesammelten Werke, die \u00fcberwiegend einmal Facebook-Beitr\u00e4ge waren.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">\u201eBiologisches Lebensdefizit\u201c <\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr dieses Buch, das erst vor wenigen Tagen in einer erweiterten und immer noch unlektorierten Fassung erschien, fand sich kein Verlag, in \u00f6ffentlichen Bibliotheken ist es nicht erh\u00e4ltlich, im Handel wird es nicht beworben. Amazon liefert es als Print-on-Demand-Produkt direkt aus Wroc\u0142aw. Wer einen geb\u00fcndelten Eindruck von Moosdorfs politischen Standpunkten gewinnen will, wird hier f\u00fcndig. Gleich im Vorwort l\u00e4sst er wissen, die Nachwelt werde das Jahr 2015 und die Zeit seither &#8222;schlimmer bewerten als die dunkle Zeit der Nazidiktatur&#8220;. An anderer Stelle hei\u00dft es, Merkel habe &#8222;nach Hitler und der DDR das dritte sozialistische Gesellschaftsexperiment&#8220; in Deutschland begonnen, von einer &#8222;gesellschaftlichen Gleichschaltung&#8220; ist die Rede. Das sind schlichte Verharmlosungen des Nationalsozialismus. Nicht viel anders verh\u00e4lt es sich mit seinem Einfall, die Bezeichnung &#8222;Klimanotstand&#8220; in Verbindung mit den Weimarer Notstandsgesetzen zu bringen. <\/p>\n<p>Ausl\u00e4nder*innen nennt Moosdorf &#8222;v\u00f6llig unberechenbare, unserer Kultur fremde Menschen&#8220;, er bringt sie in Verbindung mit einem &#8222;ihnen immanenten Potential&#8220;, straff\u00e4llig zu werden, das werde &#8222;zu 2\/3 durch Genetik weitergegeben&#8220;. Das ist ein eindeutig rassistischer Gedanke, wom\u00f6glich diesseits einer strafbaren Volksverhetzung. Die &#8222;neue Kultur der Debatte&#8220;, die er hochh\u00e4lt, die Kultur \u00fcberhaupt, von der er immer wieder spricht \u2013 sie weicht sehr oft profanen Beschimpfungen gegen Gr\u00fcne (&#8222;ungewaschen&#8220;, &#8222;Spinner&#8220;) und Linke (&#8222;Dummschw\u00e4tzer&#8220;) oder auch kontrafaktischen Behauptungen wie der, das Klima werde gar nicht w\u00e4rmer, sondern k\u00e4lter. Moosdorf, das wei\u00df man nach 370 Seiten, h\u00e4lt sich f\u00fcr einen Experten bei fast jedem Thema, f\u00fcr das sich seine Partei interessiert. In manchen Punkten versucht er sogar noch, dar\u00fcber hinaus zu gehen. Er bezeichnet Greta Thunberg als &#8222;krankes M\u00e4dchen&#8220;. Kinderlose Frauen h\u00e4lt der misogyne Autor f\u00fcr &#8222;in gewisser Weise unvollkommen, oft sogar ambitioniert peinlich&#8220;. Er unterstellt ihnen ein &#8222;biologisches Lebensdefizit&#8220;.<\/p>\n<p>So gesehen passt Moosdorf zur AfD. Doch noch vor wenigen Jahren h\u00e4tte das niemand geglaubt, h\u00e4tte ihm niemand zugetraut, so zu denken, geschweige denn, es zu Papier zu bringen. Die l\u00e4ngste Zeit des Lebens, die ersten f\u00fcnf Jahrzehnte, war er kein Politiker, sondern K\u00fcnstler, sogar ein sehr angesehener. Talent und Erfolg in diesem ersten Leben wird ihm niemand bestreiten: Der 55-J\u00e4hrige, der in Leipzig geboren wurde und auch hier aufwuchs, machte eine Lehre zum Elektronikfacharbeiter. Dann ging er an die Hochschule f\u00fcr Musik, schon sein Vater war ein recht bekannter Violinist gewesen. Noch zu DDR-Zeiten, im Jahr 1988, wurde er Gr\u00fcndungsmitglied des Leipziger Streichquartetts, einer Kammermusikformation. Da war er immer noch Student, gerade einmal 23 Jahre alt und schon ein \u00dcberflieger in seinem Metier, am Violoncello.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Musikkarriere von Weltrang<\/span><\/h3>\n<p>Nach der Wende begann er mit dem Leipziger Streichquartett eine Karriere von Weltrang. Er ist seither in mehr als 60 L\u00e4ndern bei gut 3.000 Konzerten aufgetreten, hat rund 120 CDs eingespielt. Daf\u00fcr hagelte es Auszeichnungen, allein f\u00fcnf Mal bekam das Quartett den Klassik-Echo verliehen, zuletzt 2012. Ob Tagespresse oder Fachmedien: In hunderten Konzertberichten und Rezensionen findet man kein kritisches Wort \u00fcber den Musiker Moosdorf, nur breite Einigkeit, in ihm einen Virtuosen und in seiner Gruppe eines der besten Quartette \u00fcberhaupt zu sehen. Es funktionierte auch als ein Gewerbebetrieb, der f\u00fcr Moosdorf h\u00f6chst eink\u00f6mmlich war, wie man vermuten darf. In den Neunzigerjahren stieg er dadurch zum jungen Establishment der Nachwendezeit auf.<\/p>\n<p>Seither hat er eine Wohnung in schicker, hochpreisiger Lage, nah am Leipziger Zentrum gelegen, direkt an einer gut gepflegten Parkanlage. In direkter Nachbarschaft fand man damals und findet man bis heute einige bekannte Namen, ein fr\u00fcherer Oberb\u00fcrgermeister baute direkt nebenan. So h\u00e4tte es immer weitergehen k\u00f6nnen, und danach sah es auch aus. In all den Jahren fiel Moosdorf nie mit politischem Interesse auf. Er r\u00fchmte sich in Gespr\u00e4chen zwar einer Bekanntschaft mit einem fr\u00fcheren s\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten, doch er war nie Mitglied einer Partei. Seine Sache war allein die Kultur, was nicht hei\u00dft, dass er sich nicht engagierte.<\/p>\n<p>Vereinzelt ist das passiert. Vor etlichen Jahren ging er an die Presse, weil ein Baum vor seinem Haus gef\u00e4llt wurde. Mal initiierte er ein Benefizkonzert f\u00fcr Frieden in Nahost, mal spielte er mit seinem Quartett eine Solidarit\u00e4ts-Tour in Japan, nach der Katastrophe von Fukushima. Moosdorf unterschrieb einen offenen Brief gegen die Wahl eines neuen Kulturb\u00fcrgermeisters, dem man nicht viel zutraute. Und er tadelte dann und wann die Kommunalpolitik, wenn bekannten und weniger bekannten Kulturst\u00e4tten die F\u00f6rdermittel wegzubrechen drohten. Die Resonanz war stets freundlich. Dass 2011 das rechtsradikale <i>Compact<\/i>-Magazin \u00fcber die Japan-Tour des Streichquartetts berichtete, fiel nicht weiter auf, Moosdorf selbst war auch nicht der Gespr\u00e4chspartner der Zeitschrift.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Eine Nacht in Manhattan<\/span><\/h3>\n<p>Irgendwann kam ein Bruch, der alles \u00e4nderte. Glaubt man dem, was Moosdorf berichtet, was auch in seinem Buch steht, dann war es die Migrationskrise im Herbst 2015, die ihn umdenken und in der AfD anlanden lie\u00df, &#8222;um meinen Kindern ein weiter lebenswertes Land zu erstreiten&#8220;, wie es auf dem Klappentext hei\u00dft. Doch diese Darstellung ist h\u00f6chstwahrscheinlich unvollst\u00e4ndig, die Dinge waren komplizierter. Die tiefe Wandlung, sie geht wohl zur\u00fcck auf einen spektakul\u00e4ren Kriminalfall, in den ein Mitglied des Leipziger Streichquartetts verwickelt war \u2013 und die Moosdorfs Zukunft als Musiker ins Wanken brachte.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2015 war das Quartett auf USA-Tour, man spielte in Washington, D.C., und in Tuscaloosa, Alabama. Der H\u00f6hepunkt sollte am 27. M\u00e4rz ein Gastspiel in New York City sein, im elit\u00e4ren Harvard Club in Midtown Manhattan. Doch dazu kam es nicht, der Geiger Stefan A. war kurz zuvor festgenommen worden, anderthalb Tage lang sa\u00df er in Untersuchungshaft. Erst gegen eine horrende Kaution in H\u00f6he von 100.000 US-Dollar setze ihn ein Strafgericht wieder auf freien Fu\u00df. Er durfte die Stadt dann aber fast anderthalb Jahre lang nicht mehr verlassen, musste seinen Pass abgeben, auf einen Prozess warten. Vorwurf: versuchter Mord. Ihm drohten 25 Jahre Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Am Vortag waren die Musiker, unter ihnen Moosdorf, im Hudson Hotel abgestiegen, es liegt am Central Park in Manhattan. A. lernte am Abend &#8222;Melissa&#8220; kennen, eine Prostituierte, die er sp\u00e4t nachts mit in sein Hotelzimmer nahm. Als sie den Raum wieder verlie\u00df, war sie allein, hatte aber Wertsachen des Musikers dabei, wie Aufnahmen von \u00dcberwachungskameras zeigen. Sie dokumentieren auch, wie A. drei Stunden sp\u00e4ter, inzwischen war es Vormittag, augenscheinlich orientierungslos \u00fcber den Hotelflur irrte. Er war nackt, h\u00e4mmerte mit den F\u00e4usten an T\u00fcren. Eine 64-J\u00e4hrige \u00f6ffnete ihm, A. griff sie an, hielt ihr den Mund zu. Er packte sie am Hals und dr\u00fcckte sie gegen eine Wand. Ein alarmierter Wachmann ging dazwischen und verhinderte Schlimmeres.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Probleme f\u00fcr das Quartett<\/span><\/h3>\n<p>Stefan A. konnte sich nach eigenen Angaben nicht erinnern, was passiert war. Zur Besinnung kam er, als ihm Handschellen angelegt wurden. Die These seiner Anw\u00e4lte: Er wurde unter Drogen gesetzt, K.O.-Tropfen vielleicht. Das ist nie widerlegt, aber auch nie bewiesen worden. Doch auch ein Motiv, warum er eine ihm unbekannte Frau attackierte, konnte bei den Ermittlungen nicht gefunden werden. Viel sp\u00e4ter, im Juni 2016, kam ein Gericht schlie\u00dflich zu dem Urteil, dass kein Vorsatz zu erkennen sei. Der schwere Vorwurf, dass er t\u00f6ten wollte, wurde fallen gelassen. Er bekam seinen Pass zur\u00fcck, durfte zur\u00fcck nach Deutschland reisen. Im Gegenzug musste er sich einer fahrl\u00e4ssigen K\u00f6rperverletzung schuldig bekennen \u2013 ein Deal.<\/p>\n<p>All das hat viel Aufsehen erregt. In den USA berichteten gro\u00dfe Zeitungen \u00fcber den deutschen Stargeiger, der Fall wurde sogar verfilmt, leicht verfremdet f\u00fcr die popul\u00e4re Kriminalserie \u201eLaw &amp; Order\u201c, die Folge hei\u00dft &#8222;Der nackte Fl\u00f6tist&#8220;. In Deutschland stand das Leipziger Streichquartett derweil vor einem Problem: A. war der Primarius, der erste Geiger. Ohne ihn war man nur noch ein Trio, Auftritte fielen flach, Gagen weg und die Zukunft der Gruppe, die mitunter an die hundert Konzerte im Jahr gespielt hatte, schien pl\u00f6tzlich offen. Genauso wie einige Fragen zum Fall, etwa danach, was Moosdorf und die beiden anderen Musiker mitbekommen haben. \u00d6ffentlich haben sie sich dazu nie eingelassen, A. hielt sie aus allem raus. Man habe beschlossen gehabt, den entscheidenden Abend getrennt zu verbringen, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Erst rund acht Monate nach dem Vorfall kam es zu einer Entscheidung, A. trat im November 2015 aus dem Quartett aus, in dem er auch einer der Gesellschafter war. Ob man sich einvernehmlich trennte oder nicht, ist offen, man sprach \u00f6ffentlich nicht mehr viel \u00fcbereinander. In neuer Besetzung ging es dann zwar weiter, doch die Probleme blieben, Veranstalter*innen stellten kritische Fragen. Vor allem Moosdorf, so h\u00f6rt man, soll ungehalten reagiert haben, mitunter laut geworden sein. Er geh\u00f6rte dem Streichquartett noch bis 2019 an, trat immer seltener auf, dann schmiss er hin. In der Zwischenzeit war er in die Politik gewechselt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Folgenreiche Begegnung mit Petry<\/span><\/h3>\n<p>Diesen Wechsel bahnte er ab Ende 2015 aktiv an, ungef\u00e4hr zu der Zeit, als Stefan A. von Bord ging. Moosdorf interessierte sich pl\u00f6tzlich f\u00fcr Frauke Petry, damals Landes- und Bundesvorsitzende der AfD, ein Shooting Star der deutschen Politik. Er fragte sich durch, bekam ihre Handynummer und rief sie Anfang 2016 an. Danach kam es zu einem Treffen, beide sollen sich auf Anhieb gut verstanden haben. Es ist nicht ganz klar, ob Moosdorf da bereits eigene politische Ambitionen hegte oder ob er Zuspruch suchte f\u00fcr sich, seine Musik und die Zukunft seines gebeutelten Quartetts.<\/p>\n<p>Glaubt man Marcus Pretzell, damals bereits Lebensgef\u00e4hrte Petrys, soll Moosdorf anfangs versichert haben, kein Geld zu wollen. Er soll sich zun\u00e4chst mehr im privaten Bereich um das AfD-Paar bem\u00fcht haben. Als Petry und Pretzell 2016 heirateten, war es Moosdorf, der die standesamtliche Trauung organisierte, bei der Hochzeitsfeier im Leipziger Mendelssohn-Haus spielte er auf seinem Cello. Moosdorfs Ehefrau Olga Gollej, eine Pianistin, gab zwei Kindern Petrys Klavierstunden. Petry f\u00fchrte derweil Moosdorf in die weite Welt der Politik ein, nahm ihn mit zu Terminen, zu einem Gipfeltreffen mit Marine Le Pen und Geert Wilders zum Beispiel. Der international vernetzte Moosdorf konnte umgekehrt Kontakte vermitteln, etwa zu russischen Kreml-Beratern.<\/p>\n<p>So ist er in wenigen Monaten nicht nur zu einem wichtigen Vertrauten Petrys, sondern auch Teil des Machtzentrums der AfD geworden, ohne eine Parteikarriere hinter sich zu haben. Im September 2016 traten er und Olga Gollej schlie\u00dflich der AfD bei \u2013 seither ging es pl\u00f6tzlich doch um Geld, um eine neue Karriere jenseits der Musik. Zu der Zeit plante die AfD schon ihren Bundestagswahlkampf im Folgejahr, Moosdorf soll damals bereits erwogen haben, selbst zu kandidieren. Doch es war noch zu fr\u00fch f\u00fcr ihn, ab Januar 2017 gab es als Ersatz erst einmal Arbeitsvertr\u00e4ge: Pretzell, der damals im Europaparlament sa\u00df, stellte Olga Gollej als Assistentin an. Und Petry, Fraktionsvorsitzende im S\u00e4chsischen Landtag, holte Moosdorf als Berater f\u00fcr Kulturpolitik nach Dresden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Die Kaltstellung<\/span><\/h3>\n<p>Doch diese Konstellation erwies sich als nicht sonderlich stabil, sie zerbrach bereits nach wenigen Wochen. Im Februar 2017 k\u00fchlte das Verh\u00e4ltnis pl\u00f6tzlich ab, schon im M\u00e4rz endete Moosdorfs Arbeit f\u00fcr die Landtagsfraktion. Quasi \u00fcber Nacht wurden Textbeitr\u00e4ge gel\u00f6scht, die er f\u00fcr den &#8222;Blauen Kanal&#8220; geschrieben hatte, eine Onlineplattform, in deren Impressum Petrys Name stand. In Briefen an Parteigremien beschwerte er sich \u00fcber eine pl\u00f6tzliche &#8222;Kaltstellung&#8220;, seinen Einsatz danke man ihm nicht. Petry stellte er dabei als beratungsresistent, ihren Ehemann Pretzell als einen ziemlich schlechten Einfluss dar.<\/p>\n<p>Es gibt unterschiedliche Erz\u00e4hlungen, wie es dazu kam, dass die Stimmung kippte. Im Hintergrund stand wohl Streit um Geld: Als Moosdorf zur Landtagsfraktion stie\u00df, war dort bereits Michael Klonovsky t\u00e4tig, ein Ex-Journalist, der zuvor beim <i>Focus<\/i> gearbeitet hatte, eine sogenannte Edelfeder. Moosdorf und Klonovsky wurden enge Freunde, das sind sie heute noch und spielen sich manche B\u00e4lle zu. In Moosdorfs Nachbarwahlkreis, in Chemnitz, ist neulich der gleichfalls ortsfremde Klonovsky der genauso \u00fcberraschende Direktkandidat zur Bundestagswahl geworden.<\/p>\n<p>Beide gr\u00fcndeten, als sie Anfang 2017 zeitweise parallel f\u00fcr die Dresdner Fraktion arbeiteten, eine Gesellschaft b\u00fcrgerlichen Rechts, eine GbR, so etwas wie eine kleine Beraterfirma. \u00dcber diese GbR stellten Moosdorf und Klonovsky dann Rechnungen f\u00fcr die Erstellung mehrerer Parteibrosch\u00fcren, gedacht f\u00fcr den Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Dort war Pretzell der Spitzenkandidat \u2013 doch er bestritt, diese Brosch\u00fcren in Auftrag gegeben zu haben, und wollte nicht zahlen. Auch in der Bundesgesch\u00e4ftsstelle der AfD ging eine Rechnung der GbR ein, sie hatte zu tun mit Moosdorfs fr\u00fcherem Versuch, Petry einen Russland-Kontakt zu vermitteln. Er und Klonovsky forderten insgesamt eine erkleckliche f\u00fcnfstellige Summe ein. Und beide sollen zus\u00e4tzlich Druck aufgebaut und gedroht haben, Medien \u00fcber Parteiinterna zu informieren.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Politik als Gesch\u00e4ft<\/span><\/h3>\n<p>Petry \u00e4u\u00dferte sich dazu nicht mehr, Pretzell sprach von einem Erpressungsversuch, die gemeinsame Arbeitsgrundlage war jedenfalls zerst\u00f6rt. Doch ans Aufgeben dachte Moosdorf nicht. Die Details des Streits, die zu dieser Zeit tats\u00e4chlich publik wurden, spielten den Fl\u00fcgel-Kr\u00e4ften in der AfD in die H\u00e4nde, die bereits an der Demontage der Parteichefin arbeiteten. Moosdorf versch\u00e4rfte den Ton: Im April 2017 warf er Petry vor, die AfD spalten zu wollen, und nannte ihr politisches Agieren &#8222;erschreckend dumm&#8220;. Wom\u00f6glich waren solche T\u00f6ne hilfreich dabei, die enge und eintr\u00e4gliche Verbindung zur Partei nicht abrei\u00dfen zu lassen.<\/p>\n<p>Moosdorf schmiedete n\u00e4mlich Pl\u00e4ne. Im Sommer 2017 gr\u00fcndete er eine Firma, die Pierrot Lunaire GmbH, Stammkapital: 25.000 Euro. Benannt ist das Unternehmen, das bis heute existiert, nach einem Melodram von Arnold Sch\u00f6nberg, einem der Lieblingskomponisten Moosdorfs. Der Gesch\u00e4ftszweck des Unternehmens ist aber v\u00f6llig unmusikalisch, im Handelsregister aufgez\u00e4hlt werden unter anderem &#8222;die Erstellung von parlamentarischen Anfragen und Gesetzesinitiativen, der Entwurf und die Betreuung von Petitionen und Begleitung von parlamentarischen Verfahren sowie Imageberatung f\u00fcr bestehende und potentielle Mandatstr\u00e4ger.&#8220; Es ist eine Consulting-Firma im Mikrokosmos der AfD, ein Bereich, in dem sich Politik und Gesch\u00e4ft \u00fcberschneiden.<\/p>\n<p>Nach der Wahl zum Bundestag im Herbst 2017 fand Moosdorf dort eine Anstellung, bei dem Abgeordneten Martin Hebner, der AfD-Spitzenkandidat in Bayern war. Auf der sp\u00e4ter entstandenen Website von Moosdorfs Firma werden einige Beteiligte aufgez\u00e4hlt, die man wohl zu seinem engsten Umfeld z\u00e4hlen darf. Darunter ist unter anderem Michael Klonovsky, der nach Wahl ein Mitarbeiter des Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland wurde, bald als dessen Redenschreiber gehandelt wurde und sich inzwischen auch selbst so betitelt. Mit in Moosdorfs Boot sitzt auch Albrecht Glaser, neben seiner T\u00e4tigkeit als Abgeordneter ist er Vorsitzender der m\u00e4chtigen Bundesprogrammkommission der Partei. Nicht auf der Website aufgez\u00e4hlt wird Moosdorfs Partnerin, Olga Gollej. Doch auch sie hat den Sprung in den Bundestag geschafft, die Fraktion stellte sie als Referentin f\u00fcr Kultur- und Medienpolitik ein.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Keine zimperlichen Methoden<\/span><\/h3>\n<p>Im Bundestag lief es lange gut f\u00fcr Moosdorf, was auch daran liegt, dass er sich geschickt vermarktet \u2013 etwa als den Entdecker des UN-Migrationspakts als ein Thema f\u00fcr die AfD, als Erfinder einer gro\u00df angelegten Kampagne. Damit wollten 2018 Partei und Fraktion an die Anti-Asyl-Proteste anschlie\u00dfen, auf deren R\u00fccken man ins Parlament geschwemmt wurde. Zeitweise jedenfalls fruchteten die Versuche, den Migrationspakt in die \u00f6ffentliche Debatte zu dr\u00fccken, mit Hilfe der Fiktion, die Vereinten Nationen w\u00fcrden eine &#8222;V\u00f6lkerwanderung&#8220; nach Deutschland organisieren. Ob dieses Framing allein und zuvorderst Moosdorfs Werk war, woran er gern erinnert, dazu kursieren unterschiedliche Ansichten in der AfD. <\/p>\n<p>Die F\u00e4den der Kampagne liefen tats\u00e4chlich im Bundestagsb\u00fcro des Abgeordneten Hebner zusammen, in dem Moosdorf sa\u00df. Zeitweise holte man sich Verst\u00e4rkung hinzu, der s\u00e4chsische AfD-Landtagsabgeordnete Carsten H\u00fctter wurde angeheuert, und zwar parallel zu seinem gut dotierten Mandat im Freistaat. Unr\u00fchmlicher H\u00f6hepunkt des Treibens war eine Petition, die aus Hebners B\u00fcro kam und im zust\u00e4ndigen Bundestagsausschuss behandelt werden sollte. Eingereicht hatte den Text Matthias Moosdorf, eingebaut waren einige Formulierungen, die den Leitlinien f\u00fcr Bundestags-Petitionen nicht entsprechen. Auf die Bitte des Petitionsausschusses, den Text zu \u00fcberarbeiten, ging Moosdorf nicht ein, obwohl ihm sogar Hilfe angeboten wurde.<\/p>\n<p>Stattdessen lancierte Moosdorf ein Schreiben des Ausschusssekretariats an die \u00d6ffentlichkeit \u2013 um f\u00e4lschlich den Eindruck zu erwecken, der Bundestag w\u00fcrde sich weigern, das Thema zu behandeln, als w\u00fcrde ein wichtiges Anliegen &#8222;zensiert&#8220;. Auf einem zugeh\u00f6rigen Dokument, das Moosdorf selbst ins Netz stellte, schw\u00e4rzte er seine eigene Anschrift. Doch gut lesbar waren der Name und die Kontaktdaten einer Ausschussmitarbeiterin. Es folgte eine offenbar kalkulierte Emp\u00f6rungswelle, das Parlament wurde mit Beschwerdemails geflutet. Der Versuch, eine einzelne Mitarbeiterin an den Pranger zu stellen, verfehlte ihre Wirkung nicht \u2013 sie wechselte den Job.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Dubioses Stiftungs-Projekt<\/span><\/h3>\n<p>Moosdorfs Methoden, sie sind wenig zimperlich. Ein Zeugnis recht gewieften Wirkens, diesmal hinter den Kulissen, ist die Oswald-Spengler-Stiftung, ein AfD-nahes Projekt, das noch immer existiert. Die Spengler-Stiftung trat nur ein einziges Mal gro\u00df in Erscheinung, Ende 2019 bei einer Veranstaltung im Festsaal des Dresdner Pianosalons, im herrschaftlichen Ambiente des traditionsreichen Coselpalais unweit der Frauenkirche. Dort gab es ein hochkar\u00e4tig besetztes Podium mit AfD-Abgeordneten, unter anderem mit Albrecht Glaser. Moosdorf moderierte den illustren Abend, das Begleitprogramm besorgte er selbst und spielte Chopin auf seinem Cello, am Klavier begleitet durch Olga Gollej.<\/p>\n<p>Rund 150 G\u00e4ste applaudierten daf\u00fcr, darunter in der ersten Reihe Tino Chrupalla, wenige Tage vor seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der Partei. Von der Oswald-Spengler-Stiftung finden sich ansonsten nicht viele Spuren, was offenbar Absicht ist. Auf ihrer Facebook-Seite wird behauptet, dass man eine rechtsf\u00e4hige Stiftung sei, was nicht stimmt. Es handelt sich um einen eingetragenen Verein, der Vorsitzende ist derzeit der Dresdner Immobilien- und Edelmetallh\u00e4ndler Hannes Kernert. Als die AfD in ihrer Fr\u00fchzeit einen schwunghaften Goldhandel betrieb, um Grauzonen der Parteienfinanzierung auszureizen, fiel oft sein Name. Kernert ist mit Moosdorf befreundet \u2013 und der Musiker der Vizevorsitzende der vorgeblichen Stiftung.<\/p>\n<p>Entstanden ist der Verein 2011 im th\u00fcringischen Jena, damals unter dem Namen Gustav-Stresemann-Stiftung. Sie war ein bald gescheiterter Versuch, einmal die Parteistiftung der rechtspopulistischen Formation &#8222;Die Freiheit&#8220; zu werden. Das ist lange her, &#8222;Die Freiheit&#8220; hat ihre Aktivit\u00e4ten zu Gunsten der AfD eingestellt. Als dann aber die AfD 2017 erstmals in den Bundestag einzog, wurden die Pl\u00e4ne konkret, eine AfD-nahe Stiftung zu schaffen, um in den Genuss staatlicher F\u00f6rdermittel zu kommen. Gleich mehrere Vereine brachten sich im Herbst 2017 in Stellung, um diese Parteistiftung zu werden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Der gekaufte Verein<\/span><\/h3>\n<p>Das Rennen machte einige Monate sp\u00e4ter die Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES). Doch die litt zun\u00e4chst unter Anlaufproblemen, wurde erst nach mehreren Gr\u00fcndungstreffen \u00fcberhaupt ins Vereinsregister aufgenommen und hatte gro\u00dfe M\u00fche, als gemeinn\u00fctzig anerkannt zu werden. In dieser misslichen Situation fand Ende November 2017 erstmals nach mehreren Jahren wieder eine Mitgliederversammlung der Gustav-Stresemann-Stiftung statt. Ort war eine Jenaer Anwaltskanzlei, in der man den Verein urspr\u00fcnglich aus der Taufe gehoben hatte. Mit der AfD hatte er bis dahin nichts zu tun.<\/p>\n<p>Zum Vereinstreffen erschien aber eine AfD-Delegation. Hannes Kernert war dabei und unter anderem auch Jan-Oliver Zwerg. Er war zu diesem Zeitpunkt Pr\u00e4sident des s\u00e4chsischen AfD-Landessenats, einer Art erweitertem Vorstand, bevor er im Februar 2018 zum Generalsekret\u00e4r gew\u00e4hlt wurde und nochmals anderthalb Jahre sp\u00e4ter in den Landtag einzog. Am Ende des Treffens in Jena traten alle bisherigen Vereinsmitglieder aus und einige neue Leute daf\u00fcr ein. Diese neuen Mitglieder kamen allesamt von der AfD. Sie hatten damit klammheimlich einen Verein \u00fcbernommen, angeblich floss daf\u00fcr sogar Geld. Und die neuen Mitglieder traten mit diesem Verein sofort in offene Konkurrenz zur DES.<\/p>\n<p>Die Gustav-Stresemann-Stiftung bot einen entscheidenden Vorteil, sie war schon seit langem als gemeinn\u00fctzig anerkannt. Beinahe w\u00e4re es sogar gelungen, die Desiderius-Erasmus-Stiftung auszustechen. Denn w\u00e4hrend die DES bei Null starten musste, konnten die Stresem\u00e4nner auf eine l\u00e4ngere Vereinsgeschichte verweisen, auch wenn es in Wirklichkeit nicht die eigene war. Sie bauten die bisherige Website um, schnitten sie passgenau auf AfD-Themen zu, vermerkten dort ein &#8222;Hauptstadtb\u00fcro&#8220; in bester Lage. Und sie gewannen Alexander Gauland als wichtigen F\u00fcrsprecher. Auch einige Bundestagsabgeordnete wurden als Mitglieder rekrutiert, etwa Martin Hebner, Moosdorfs Chef.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Totengr\u00e4ber der Demokratie<\/span><\/h3>\n<p>Dass die Gustav-Stresemann-Stiftung dann doch nicht zum Zuge kam, lag zum einen an einem drohenden Rechtsstreit: Die Erben Stresemanns, der 1923 Reichskanzler geworden war, distanzierten sich von der AfD und drohten mit einer Klage, sollte die Parteistiftung diesen Namen tragen. Und: In der Partei fiel bald auf, dass die Gustav-Stresemann-Stiftung ein Potemkin\u2019sches Dorf ist. Die Berliner Adresse war ein Briefkasten, Texte auf der Vereinswebsite waren Recycling-Material. Dort eingestellt wurde unter anderem \u2013 mit leicht ver\u00e4ndertem Layout \u2013 eine jener Brosch\u00fcren, die Moosdorf verfasst und f\u00fcr die er Geld von Pretzell gefordert hatte.<\/p>\n<p>Das alternative Stiftungsprojekt scheiterte endg\u00fcltig nach rund einem halben Jahr, im Sommer 2018. Nach stundenlanger Diskussion entschieden sich damals fast zwei Drittel der Delegierten eines AfD-Bundesparteitags daf\u00fcr, die Desiderius-Erasmus-Stiftung anzuerkennen und nicht die Konkurrenz-Gruppe. Ein gutes Jahr sp\u00e4ter musste sie nach einem Gerichtsurteil umbenannt werden, seitdem ist sie die Oswald-Spengler-Stiftung, ansonsten aber derselbe Verein. Die neue Namenswahl war allerdings von brutaler Ironie: Spengler, dessen bekanntestes Werk in Moosdorfs B\u00fccherregal steht, war ein Gegner Stresemanns und beteiligt an einem Plan, dessen Kabinett durch einen Putsch rechter Kr\u00e4fte und des Milit\u00e4rs zu beseitigen. Der Republikfeind Spengler war einer der fr\u00fchen Totengr\u00e4ber der ersten deutschen Demokratie.<\/p>\n<p>Welchen Zweck die Oswald-Spengler-Stiftung noch hat, was etwa Matthias Moosdorf sich von ihr verspricht, ist nicht ganz klar. Es gibt heute bundesweit einen Flickenteppich an AfD-nahen Vereinen, an designierten und gescheiterten Stiftungsprojekten in den L\u00e4ndern, manche schlummern seit Jahren vor sich hin, ohne dass man sie nutzen und ohne dass man sie aufl\u00f6sen mag. Theoretisch k\u00f6nnen dort Spenden ankommen, die nicht in den B\u00fcchern der Partei auftauchen. Und theoretisch k\u00f6nnte auch, wenn sich bestimmte Konflikte in der AfD zuspitzen sollte, ein bereits bestehender Verein in eine neue Partei umgewandelt werden, das deutsche Parteienrecht bietet diese M\u00f6glichkeit. Anscheinend verwaiste Projekte k\u00f6nnten irgendwann in der Zukunft n\u00fctzlich werden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Anlauf f\u00fcr Olga Gollej<\/span><\/h3>\n<p>Als Moosdorf im Herbst 2019 offiziell Vizevorsitzender der Oswald-Spengler-Stiftung wurde, war er auf dem H\u00f6hepunkt seines Ansehens in der Partei angelangt. Zum Abschluss des s\u00e4chsischen Landtagswahlkampfs lud er damals zu sich ein, auf sein neues, gro\u00dfes, gut gepflegtes Grundst\u00fcck im nords\u00e4chsischen \u00d6rtchen Collm. In l\u00e4ndlichem und vor allem diskretem Ambiente empfing er hohe Parteifreund*innen, eingeladen war auch der Bundesvorsitzende J\u00f6rg Meuthen. Inzwischen haben Moosdorf und Gollej dort ihren Hauptwohnsitz genommen, zus\u00e4tzlich zu der teuren Adresse in Leipzig. Das Paar lebt nicht auf kleinerem Fu\u00df, seitdem man die Musik hinter sich gelassen hat.<\/p>\n<p>Damals soll Olga Gollej selbst erwogen haben, bei der Landtagswahl in Sachsen zu kandidieren. Ein Bewerbungsschreiben war schon fertig, als Ziel ihrer k\u00fcnftigen Parlamentsarbeit vermerkte sie unter anderem die &#8222;Abschaffung der Gender-Studies&#8220;, also eines Fachs, das an keiner einzigen s\u00e4chsischen Hochschule gelehrt wird. Im vergangenen Jahr warf sie ihren Hut erneut in den Ring. Diesmal suchte die AfD nach einer geeigneten Kandidat*in zur Landratswahl im Kreis Mei\u00dfen. Nach einer Serie von Misserfolgen bei Kommunalwahlen rechnete man sich gute Chancen aus: Zur Landtagswahl hatte man in der Region alle drei Direktmandate geholt. Doch jetzt mangelte es an Bewerber*innen, aus dem Kreisverband wagte sich niemand vor oder es fehlten die gew\u00fcnschten Verwaltungskenntnisse. Landtagsmitglied Carsten H\u00fctter war kurz im Gespr\u00e4ch, doch er winkte ab.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeiten bei der Suche waren bald ein Thema im Landesvorstand \u2013 in den Moosdorf einige Monate zuvor eingezogen war. So wunderte sich in der Partei niemand, dass Gollej ins Spiel kam, obwohl sie f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ein ziemlich unbeschriebenes Blatt ist. Beinahe h\u00e4tte sie der Mei\u00dfener Kreisverband, dem sie nicht angeh\u00f6rt, auch nominiert um Landr\u00e4tin in einer Region zu werden, in der sie nicht lebt. Erst wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung bewarb sich auch Thomas Kirste, stellvertretender Kreischef und Landtagsabgeordneter. Es kam zur Stichwahl gegen Gollej, Kirste setzte sich mit nur vier Stimmen Vorsprung durch. Landrat wurde er am Ende nicht.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">\u201eGestorben wird immer\u201c<\/span><\/h3>\n<p>Nachdem es lange aufw\u00e4rts ging, steht Moosdorf inzwischen vor einigen Problemen. Sie begannen im vergangenen Fr\u00fchjahr und haben mit Corona zu tun. Damals hatte die AfD-Bundestagsfraktion noch keine einheitliche Linie zur Pandemie, die seither die politischen Debatten bestimmt. In dieser Zeit, es war M\u00e4rz und der Fr\u00fchjahrs-Lockdown hatte gerade begonnen, schickte der AfD-Abgeordnete Martin Hebner eine E-Mail an seine Fraktionskolleg*innen. Darin mahnte er an, dass klare Leitlinien gerade fehlen, dass &#8222;wichtige Teile der Abl\u00e4ufe und der Steuerung nicht funktionieren&#8220; w\u00fcrden. Das war eine offene Kritik an der Fraktionsf\u00fchrung, an Alice Weidel und vor allem an Alexander Gauland.<\/p>\n<p>Hebners Mail hatte einen Anhang mit einem weiteren Text, der Verfasser war sein Mitarbeiter, Matthias Moosdorf. Er ging mit der gesamten Fraktion hart ins Gericht, sie sei auf das Corona-Thema zu sp\u00e4t aufgesprungen, man habe es anf\u00e4nglich sogar ganz ignoriert. Damals geschah, was \u00f6fter passiert, wenn der Cellist mitspielt: Medien erfahren Details. So berichteten denn auch mehrere Zeitungen \u00fcber den R\u00fcffel und zitierten aus Moosdorfs Schreiben den entscheidenden Satz: &#8222;Kurz zusammengefasst, soll unsere Fraktion auf folgende Linie festgelegt werden: Das Ganze ist eine bessere Grippe, gestorben wird immer, die Ma\u00dfnahmen sind Eingriffe in das \u00f6ffentliche Leben und \u00fcberfl\u00fcssig.&#8220; Wenig sp\u00e4ter machten sich weite Teile von Fraktion und Partei genau diese zynische Sicht zu eigen.<\/p>\n<p>Doch es gab ein Nachspiel, nach einer Weile versammelte sich die Fraktion zu einer stundenlangen Aussprache, der Anlass war der Aufschlag aus Hebners B\u00fcro. Abgeordnete haben das Meeting erzwungen, gegen den Willen von Weidel und Gauland, die damals noch auf einen eher staatstragenden Kurs setzten. Dem Vernehmen nach sollen einzelne Abgeordnete sogar gedroht haben, aus der Fraktion auszutreten, wenn der bisher moderate Corona-Kurs nicht auf den Pr\u00fcfstand kommt. Hebners Mail und Moosdorfs Zeilen hatten damit zu einer veritablen F\u00fchrungskrise beigetragen. Sie kam zur Unzeit, weil parallel an der AfD-Bundesspitze der Machtkampf um den Fl\u00fcgel voll entbrannt war.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Alles oder nichts<\/span><\/h3>\n<p>Es war nicht das letzte Mal, dass Moosdorf in die Vollen gegangen und damit angeeckt ist. Inzwischen hat sich seine Lage offenbar noch weiter verschlechtert: In Parteikreisen kursiert das Protokoll einer mehrst\u00fcndigen Fraktionssitzung von Ende November. Wenn zutrifft, was darin notiert wurde, dann stand der Name &#8222;Moosdorf&#8220; auf der Tagesordnung. Und es erging der fast einhellige Beschluss, den Abgeordneten Martin Hebner aufzufordern, seinen Mitarbeiter &#8222;unverz\u00fcglich zu entlassen&#8220;. Sogar Abgeordnete aus Sachsen sollen diese scharfe Forderung unterst\u00fctzt haben. Sie ist schon deshalb ungew\u00f6hnlich, weil Moosdorf ein pers\u00f6nlicher Mitarbeiter ist. Da er nicht direkt bei der Fraktion angestellt ist, kann sie ihn nicht entlassen.<\/p>\n<p>Derzeit ist unklar, ob er noch f\u00fcr Hebner arbeitet, ob er \u00fcberhaupt eine feste Anstellung hat. An diesem Wochenende will sich Moosdorf beim Landesparteitag der s\u00e4chsischen AfD um einen vorderen Listenplatz bewerben. Sollte das gelingen, w\u00e4re ein Mandat zum Greifen nah, egal was im Zwickauer Direktwahlkampf passiert. Im Vorfeld hat er eine Art Bewerbungsschreiben eingereicht, als T\u00e4tigkeiten vermerkt er darin eine Menge: Musiker, Autor, Publizist, Manager. Doch von einer Besch\u00e4ftigung beim Abgeordneten Hebner ist keine Rede.<\/p>\n<p>Was ist passiert? Dem Vernehmen nach wurde Moosdorf vorgeworfen, aus dem Abgeordnetenb\u00fcro heraus eine Mail an Alexander Gauland geschickt und ihn darin beleidigt zu haben, nachdem der Fraktionschef in einen Streit mit seinem Redenschreiber Michael Klonovsky geraten war. Moosdorf soll dabei nicht nur seinen Freund Klonovsky verteidigt, sondern einmal mehr angedeutet haben, dass AfD-Interna \u00f6ffentlich bekannt werden k\u00f6nnten. Es gibt Anzeichen, die daf\u00fcr sprechen, dass es zum gro\u00dfen Eklat kam. Sie kommen von Moosdorf selbst: Unmittelbar nach seiner Nominierung als Direktkandidat in Zwickau erschien die Neuauflage seines Buches, und das enth\u00e4lt nun einen Text, <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=4775\">der sich wie eine w\u00fctende Abrechnung mit Gauland und der ganzen Bundestagsfraktion liest<\/a>. Brutale Ironie: Sollte es Moosdorf nicht als Abgeordneter in den Bundestag, in die verhasste AfD-Fraktion schaffen, ist seine politische Karriere wom\u00f6glich vorbei. Es geht f\u00fcr ihn jetzt um alles oder nichts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Portr\u00e4t&nbsp;\u2502 Matthias Moosdorf war ein gro\u00dfer Leipziger Musiker, dann ging er zur AfD. Er arbeitete erst im Landtag, dann im Bundestag. Dort will er bald selbst ein Mandat ergattern, als Direktkandidat in Zwickau und \u00fcber die s\u00e4chsische Landesliste. Doch der Erfolg ist ungewiss, sein rascher Aufstieg in der Partei l\u00e4ngst gebrochen \u2013 f\u00fcr ihn geht &hellip; <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=4829\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Moosdorfs Welt<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14643,"featured_media":4828,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-4829","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-personalien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14643"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4829"}],"version-history":[{"count":49,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4829\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4878,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4829\/revisions\/4878"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/idas.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}