{"id":372,"date":"2020-02-02T20:23:56","date_gmt":"2020-02-02T19:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=372"},"modified":"2020-02-02T20:41:48","modified_gmt":"2020-02-02T19:41:48","slug":"nur-platz-fuenf-schlechtes-afd-ergebnis-in-leipzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=372","title":{"rendered":"Nur Platz f\u00fcnf: Schlechtes AfD-Ergebnis in Leipzig"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer deutlichen Schlappe f\u00fcr die AfD endete am Sonntag der erste Durchgang der Oberb\u00fcrgermeister*innen-Wahl in Leipzig. Nach dem vorl\u00e4ufigen Ergebnis stimmten lediglich 8,7 Prozent der insgesamt rund 470.000 Wahlberechtigten in Sachsens bev\u00f6lkerungsreichster Stadt f\u00fcr den blauen Kandidaten Christoph Neumann. Der <i>idas<\/i>-Wahlbericht:<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<p>In der W\u00e4hler*innengunst liegt der fr\u00fchere s\u00e4chsische Justiz- und jetzige Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) mit 31,6 Prozent knapp vor dem Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD), der auf 29,8 Prozent kommt. Danach folgen Franziska Riekewald (Die Linke) mit 13,5 und Katharina Krefft (Gr\u00fcne) mit 12 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit rund 49 Prozent vergleichsweise hoch, gut acht Prozentpunkte mehr als vor sieben Jahren, als es die AfD noch nicht gab.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Hinter den eigenen M\u00f6glichkeiten<\/span><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=172\">Dem AfD-Kandidaten Christoph Neumann<\/a> hat die Wahlbeteiligung nicht gen\u00fctzt, er landete unter den insgesamt acht Bewerber*innen nur auf Platz f\u00fcnf. Nach dem vorl\u00e4ufigen Ergebnis kam er in keinem der 63 Ortsteile \u00fcber den dritten Platz hinaus. Besonders wenig Zuspruch mit jeweils nur drei bis vier Prozent erhielt der 55-J\u00e4hrige in der S\u00fcdvorstadt, Connewitz, Schleu\u00dfig, Lindenau, Zentrum-S\u00fcd und Zentrum-Nordwest.<\/p>\n<p>Vergleichsweise stark schnitt er beispielsweise in Lausen-Gr\u00fcnau, Meusdorf (jeweils 16%) und Liebertwolkwitz (16,5%) ab. In L\u00fctzschena-Stahmeln, wo Neumann wohnt, sind es 16,1 Prozent. Der Spitzenwert wurde in Althen-Kleinp\u00f6sna mit 18,7 Prozent erzielt. Dort hatte die AfD auch bei fr\u00fcheren Wahlen schon au\u00dfergew\u00f6hnlich stark abgeschnitten. Sie konnte nun erneut besonders in Gebieten punkten, die als eher konservative Peripherie gelten, ein bekanntes Muster. <\/p>\n<p>Neumann f\u00e4llt jedoch weit hinter alle Erwartungen zur\u00fcck, eine repr\u00e4sentative Umfrage hatte ihn bei zehn Prozent gesehen. Er sch\u00f6pfte auch am Wahltag bei Weitem nicht das Potential aus, das seine Partei sogar in der eher liberal gestimmten Messestadt hat: Zur Stadtratswahl im Fr\u00fchjahr 2019 Jahr hat die AfD knapp 15 Prozent der Stimmen erhalten, seitdem geh\u00f6rt Neumann dem Gremium an. Doch ein Viertel der bekennenden Parteianh\u00e4nger*innen hat Anfang diesen Jahres angegeben, nicht f\u00fcr ihn votieren zu wollen, nur sieben Prozent der Leipziger*innen h\u00e4lt ihn f\u00fcr sympathisch. Erh\u00f6hten Zuspruch konnte er den Umfragewerten zufolge lediglich im Segment mittelalter M\u00e4nner erwarten. Auch das ist AfD-typisch.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Blasser Kandidat mit schwachem Wahlkampf<\/span><\/h3>\n<p>Vor der Kulisse seiner schrillen Partei gesehen ist Neumann eine blasse Gestalt. Auch der Wahlkampf, f\u00fcr den ein Budget in H\u00f6he von rund 40.000 Euro zur Verf\u00fcgung stand, wirkte kraftlos und f\u00fcr AfD-Verh\u00e4ltnisse beinahe sanft \u2013 obwohl das Hauptthema \u201eSicherheit\u201c und das Stichwort \u201eConnewitz\u201c wie gemacht schienen f\u00fcr eine Law-and-Order-Kampagne, die der AfD liegt. Doch hier punktete eher die CDU. Neumann warb mit einer allgemein gehaltenen Agenda f\u00fcr eine \u201eWende f\u00fcr Leipzig\u201c, ohne allzu klar profilierte Forderungen aufzustellen.<\/p>\n<p>Der Kandidat, der selbst keiner Parteistr\u00f6mung angeh\u00f6rt, hatte zuletzt mehrfach bekannte AfD-Rechtsausleger f\u00fcr Veranstaltungen nach Leipzig geholt, darunter Tino Chrupalla, Stephan Brandner und Karsten Hilse, die dem v\u00f6lkisch-nationalistischen \u201eFl\u00fcgel\u201c angeh\u00f6ren oder ihn f\u00f6rdern. Doch bei den Wahlkampf-Events blieben die Parteianh\u00e4nger*innen weitgehend unter sich. Auff\u00e4llig: Die s\u00e4chsische Landesspitze hielt sich im Wahlkampf zur\u00fcck. Unterst\u00fctzt wurde Neumann durch die verfassungsfeindliche, in Leipzig ansonsten kaum aktive \u201eJunge Alternative\u201c, die eigene Plakate aufhing. Darauf wurden kostenlose Azubi-Tickets f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nahverkehr gefordert. Eine Idee, mit der Neumann gar nicht warb.<\/p>\n<p>In den vergangenen Tagen wurden zudem anonyme Flugbl\u00e4tter verbreitet. Ausgestattet mit einem Wappen der Stadt und beschriftet mit &#8222;Informationen zur Wahl&#8220; sollten die Handzettel einen amtlichen Eindruck erwecken. Deutsche w\u00fcrden bald zur &#8222;Minderheit im eigenen Land&#8220; werden, wird im Text gewarnt. Die Meinungsfreiheit sei schon beschnitten, die Demokratie stehe auf dem Spiel \u2013 auch ohne Erw\u00e4hnung der Partei ist zu erahnen, welchem Bewerber das Wort geredet wird. Beinahe identische Flyer waren bereits im vergangenen Jahr im Vorfeld der Landtagswahl verteilt worden.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Antritt im zweiten Wahlgang noch offen<\/span><\/h3>\n<p>Da keine der Bewerber*innen in Leipzig die absolute Mehrheit erreicht hat, findet am 1. M\u00e4rz ein zweiter Wahlgang statt, eine einfache Mehrheit gen\u00fcgt dann zum Sieg. Anzunehmen ist, dass es auf ein Duell zwischen Burkhard Jung und Sebastian Gemkow hinauslaufen wird. Ob Neumann seine Kandidatur aufrecht erhalten oder zur\u00fcckziehen wird, ist noch nicht bekannt. Er selbst sagte vor Ende der Ausz\u00e4hlung, dass er f\u00fcr den n\u00e4chsten Wahlgang bereit sei, sich aber auch vorstellen k\u00f6nne, den CDU-Kandidaten Gemkow zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nach <i>idas<\/i>-Informationen will die Leipziger AfD vor einer Festlegung zun\u00e4chst am kommenden Donnerstag bei einem Kreisparteitag \u00fcber das weitere Vorgehen diskutieren. Einen entscheidenden Unterschied wird das wom\u00f6glich nicht machen. Denn die Stimmen, die Neumann dem CDU-Herausforderer leihen k\u00f6nnte, gen\u00fcgen rechnerisch nicht, um an Jungs R\u00fcckhalt  im Mitte-Links-Spektrum heranzur\u00fccken, falls auch Linke und Gr\u00fcne zur\u00fcckziehen. Tritt Neumann dagegen erneut an, droht ihm eine noch deutlichere Schlappe.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re ein schlechtes Signal f\u00fcr die AfD, denn in diesem Jahr stehen weitere Wahlen um die Rathausspitzen gr\u00f6\u00dferer s\u00e4chsischer St\u00e4dte an. Am 14. Juni wird in Chemnitz eine neue Oberb\u00fcrgermeister*in gew\u00e4hlt, die AfD geht dort mit dem Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme ins Rennen. Auch in Zwickau muss ein neues Stadtoberhaupt gefunden werden, ein Termin steht noch nicht fest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer deutlichen Schlappe f\u00fcr die AfD endete am Sonntag der erste Durchgang der Oberb\u00fcrgermeister*innen-Wahl in Leipzig. 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