{"id":3225,"date":"2020-09-15T17:40:38","date_gmt":"2020-09-15T15:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=3225"},"modified":"2020-12-08T18:38:18","modified_gmt":"2020-12-08T17:38:18","slug":"kalbitz-bei-pegida-im-moment-keine-andere-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=3225","title":{"rendered":"Kalbitz bei Pegida: &#8222;Im Moment&#8220; keine andere Partei"},"content":{"rendered":"<p>Der Neonazi Andreas Kalbitz sprach in Dresden, es war sein erster gro\u00dfer Auftritt, seitdem er der AfD nicht mehr angeh\u00f6rt. Auf der B\u00fchne teilte er kr\u00e4ftig gegen die \u201eClique v\u00f6llig verantwortungsloser Karrieristen\u201c aus und erntete daf\u00fcr Applaus. Doch offenbar ist der R\u00fcckhalt unter den einstigen Parteifreund*innen gering.<!--more--><\/p>\n<hr \/>\n<p><small><b>Beitrag vom 15.09.2020, 17:45 Uhr<\/b> \u2502 erg\u00e4nzt am 16.09.2020, 13:45 Uhr \u2502 Im Bild: Andreas Kalbitz (Mitte) vor der Pegida-B\u00fchne, gemeinsam mit den s\u00e4chsischen Landtagsabgeordneten Norbert Mayer und J\u00f6rg Dornau.<\/small><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Ex-AfD-Mann am Fronttransparent<\/span><\/h3>\n<p>Sch\u00e4tzungsweise 700 bis 800 Personen haben sich am fr\u00fchen Montagabend auf dem Dresdner Altmarkt bei einer Pegida-Kundgebung versammelt. Das waren kaum mehr als in den Vorwochen, trotz eines bekannten Gastredners: Andreas Kalbitz bestritt seinen ersten gro\u00dfen Auftritt, seitdem er <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2917\">aus der AfD ausgeschieden<\/a> und ihm durch die <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2893\">Milzriss-Aff\u00e4re<\/a> der R\u00fcckhalt in den eigenen Reihen weggebrochen ist. In der s\u00e4chsischen Landeshauptstadt wurde er dagegen beklatscht, als w\u00e4re nichts gewesen. Er marschierte direkt hinter dem Fronttransparent, als Pegida zu einer kleinen Runde durch die Altstadt aufbrach. Eine \u00e4hnliche Szene hatte es vor gut zwei Jahren schon einmal gegeben, und noch im Februar war er im Publikum zu sehen, als <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=505\">Bj\u00f6rn H\u00f6cke auf der B\u00fchne<\/a> stand. Damals war die Macht des Fl\u00fcgels ungebrochen.<\/p>\n<p>Diesmal wirkte es eher, als w\u00fcrde Kalbitz um eine neue Basis buhlen, um den Applaus, der zuletzt selten geworden ist. Die B\u00fchne betrat er mit einer schwarz-rot-goldenen Maske, die er theatralisch absetzte. &#8222;Der Maulkorb kann jetzt weg&#8220;, sagte er und sprach von einer &#8222;Pseudo-Pandemie&#8220;. Dann schimpfte er auf &#8222;ungez\u00fcgelte Massenmigration&#8220;, lobte Russland als &#8222;verl\u00e4sslichen Partner&#8220; und zweifelte am Zustand der Bundeswehr, die k\u00fcnftig weibliche Dienstgrade vergeben will. Nach Kommentaren zur Weltlage kam er zur Sache, zu &#8222;ein paar Worten zum Zustand der AfD&#8220; \u2013 zu der Partei, die ihn nicht haben will, \u00fcber die er aber unver\u00e4ndert in der Wir-Form spricht. &#8222;Die AfD hat im Osten gezeigt, dass zusammen mit den B\u00fcrgerbewegungen auf der Stra\u00dfe Erfolge gezeitigt werden konnten, die sich sehen lassen k\u00f6nnen&#8220;. AfD und Pegida seien gemeinsam &#8222;nah dran&#8220;, eine &#8222;wirkliche Ver\u00e4nderung&#8220; zu bewirken.<\/p>\n<p>Doch nah dran ist auch vorbei. Die Partei stecke in einem &#8222;Richtungskampf&#8220;, einige Beteiligte w\u00fcrden sie zum &#8222;Steigb\u00fcgelhalter einer scheinkonservativen Union&#8220; degradieren. &#8222;Daf\u00fcr sind wir nicht angetreten&#8220;, mahnte der Neonazi. Zugleich rief er dazu auf, die AfD nicht zu verlassen. Sie sei, so sagte er in schlechtem Deutsch, die &#8222;am wenigsten schlechteste Partei, die wir haben&#8220;, es g\u00e4be &#8222;im Moment&#8220; keine andere. Man m\u00fcsse sich weiter einbringen, damit nicht &#8222;die Schlechten&#8220; siegen. Namen nannte er nicht, sprach umso ver\u00e4chtlicher von &#8222;einer kleinen Clique v\u00f6llig verantwortungsloser Karrieristen&#8220;. Die w\u00fcrden ihn &#8222;nicht so schnell loswerden, wie sie sich das vorgestellt haben.&#8220; Kalbitz sagte nicht, wie ihm das gelingen soll. Er beschreitet den Klageweg, doch der ist lang, der Ausgang ungewiss. Unter &#8222;Kalbitz, Kalbitz&#8220;-Sprechch\u00f6ren verlie\u00df er nach einer Viertelstunde die B\u00fchne.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Berndt beklagt \u201eS\u00e4uberungen\u201c in der AfD<\/span><\/h3>\n<p>Danach trat Christoph Berndt ans Mikrofon, ein Fraktionskollege aus Brandenburg, der schon mehrfach bei Pegida gesprochen hat. Er will neuer Fraktionschef werden, der gemeinsame Auftritt mit seinem Vorg\u00e4nger macht deutlich, wen sich Kalbitz als politischen Erben w\u00fcnscht. Berndt richtete &#8222;herzliche Gr\u00fc\u00dfe von Zukunft Heimat&#8220; aus, seinem verfassungsfeindlichen Protest-Verein aus Cottbus. Auch er umschmeichelte die Gesinnungsgenoss*innen in Dresden: &#8222;Ihr von Pegida, wir von Pegida, f\u00fchren seit sechs Jahren den Beweis: Nichts im Leben ist alternativlos&#8220;. In seiner z\u00e4hen Rede rief Berndt zum Widerstand gegen die Pandemie-Eind\u00e4mmung auf, nannte die Covid-19-Erkrankung eine &#8222;Rarit\u00e4t&#8220;, das Maskentragen \u2013 diesmal war es Pegida durch Auflagen verordnet \u2013 sei au\u00dferdem &#8222;medizinisch nicht begr\u00fcndet&#8220;. W\u00e4re die AfD &#8222;der politische Arm aller Querdenker in Deutschland&#8220;, so w\u00e4ren &#8222;Merkels Tage gez\u00e4hlt&#8220;.<\/p>\n<p>Stattdessen plagt ihn der Verfassungsschutz, den er &#8222;Verfassungs-Sicherheit&#8220; nannte, und dessen Pr\u00e4sident Thomas Haldenwang, den er mit &#8222;Erich&#8220; ansprach. Die Beh\u00f6rden w\u00fcrden sich nicht nur gegen die AfD wenden, sondern gegen alles, &#8222;was mit Freiheit zu tun hat&#8220;, zum Beispiel Autos und Bargeld. Deutschland werde l\u00e4ngst durch eine &#8222;informelle Koalition von CSU bis Linkspartei&#8220; beherrscht. Auch Berndt ging kurz auf die innere Lage der AfD ein und rief zur Einigkeit &#8222;unter uns Patrioten&#8220; auf \u2013 ein Standard-Appell, den er &#8222;sehr bewusst&#8220; auch an die Partei richtete. Dort sei es zur &#8222;Liquidierung ganzer Str\u00f6mungen&#8220; gekommen, er sprach gar von &#8222;S\u00e4uberungen&#8220;, mit denen man sich nur selber schade: Wenn die AfD &#8222;wieder aufsteigen&#8220; will, &#8222;dann braucht sie kr\u00e4ftige Fl\u00fcgel&#8220;.<\/p>\n<p>Zum Schluss der Versammlung stand noch ein dritter Redner auf der B\u00fchne, der nicht angek\u00fcndigt war, aber auch nicht viel mitzuteilen hatte. Ralf \u00d6zkara berichtete, dass er mit seiner Familie nach Zittau gezogen sei, denn &#8222;das politische Klima ist dort toll.&#8220; \u00d6zkara hatte die AfD im vergangenen Jahr verlassen. Zuvor war er zeitweise Landesvorsitzender in Baden-W\u00fcrttemberg gewesen, au\u00dferdem B\u00fcro- und Wahlkampfleiter des heutigen Parteichefs J\u00f6rg Meuthen. Als der Machtkampf in der AfD vor einigen Wochen vollends eskalierte, kehrte \u00d6zkara \u00fcberraschend aus der Versenkung zur\u00fcck und belastete Meuthen in dessen Spendenaff\u00e4re schwer. Es war ein Versuch der Fl\u00fcgel-Kr\u00e4fte, den ungeliebten Vorsitzenden zu besch\u00e4digen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">R\u00fcckhalt stark geschwunden<\/span><\/h3>\n<p>Das gesamte Pegida-Treffen geriet so zu einem kleinen Gipfel derer, die einmal die radikaleren Vertreter der AfD waren, die jetzt die Renegaten sind oder es noch werden k\u00f6nnten. Klar ist allerdings: Kalbitz&#8216; Anklang bei der s\u00e4chsischen AfD sackte in j\u00fcngster Zeit ab. Im Juni wurde er noch zu offiziellen Partei-Kundgebungen in <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2262\">Sebnitz<\/a> und <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2402\">Burgst\u00e4dt<\/a> eingeladen, prominente Vertreter*innen der Landespartei und der Landtagsfraktion zeigten sich gerne mit ihm. Inzwischen meidet man ihn eher. Einen Auftritt in Grimma, wo er Ende August auf dem Marktplatz sprechen sollte, <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=3006\">lie\u00df er platzen<\/a>. Worte des Bedauerns gab es in der Muldestadt nicht, eher witzelte man \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>Auch in Dresden waren Anh\u00e4nger*innen aus der AfD nur vereinzelt zu sehen. Es wehten zwei Fahnen der s\u00e4chsischen &#8222;Jungen Alternative&#8220;. Und es gab zwei Landtagsmitglieder, die am Ende gemeinsam mit Kalbitz f\u00fcr ein Foto posierten: Norbert Mayer und J\u00f6rg Dornau, zwei Fl\u00fcgel-M\u00e4nner. Ebenfalls vor Ort waren die Abgeordneten Joachim Keiler, Timo Schreyer und Ren\u00e9 Hein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Neonazi Andreas Kalbitz sprach in Dresden, es war sein erster gro\u00dfer Auftritt, seitdem er der AfD nicht mehr angeh\u00f6rt. 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