{"id":2806,"date":"2020-08-12T16:13:41","date_gmt":"2020-08-12T14:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2806"},"modified":"2020-08-12T16:13:41","modified_gmt":"2020-08-12T14:13:41","slug":"goerlitz-afd-fraktionsvorsitzender-war-in-der-npd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2806","title":{"rendered":"G\u00f6rlitz: AfD-Fraktionsvorsitzender war in der NPD"},"content":{"rendered":"<p>Der Kommunalpolitiker Lutz Jankus war fr\u00fcher bei der neonazistischen NPD aktiv. Die AfD nahm ihn deshalb nicht auf \u2013 in G\u00f6rlitz kooperiert man trotzdem, lie\u00df ihn zu Wahlen antreten, machte ihn gar zum Chef der m\u00e4chtigen Stadtratsfraktion. Die Personalie ist brenzlig, denn der heutige Bundesvorsitzende Tino Chrupalla war offenbar eingeweiht.<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><small><i>Im Bild: Lutz Jankus inmitten von Parteiprominenz, hier unter anderem mit dem Landtagsabgeordneten Sebastian Wippel und den beiden heutigen AfD-Bundesvorsitzenden J\u00f6rg Meuthen und Tino Chrupalla.<\/i><\/small><\/p>\n<hr \/>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">&#8222;Vor 30 Jahren kurzzeitig in der NPD&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Stadtrat von G\u00f6rlitz, Lutz Jankus, war Mitglied der neonazistischen NPD. Das berichtet die <i>S\u00e4chsische Zeitung<\/i> am Mittwoch und beruft sich auf die niedergeschriebene Entscheidung einer Vorstandssitzung des \u00f6rtlichen Kreisverbandes der Partei. Ihr wollte der 49-J\u00e4hrige vor gut zwei Jahren beitreten, doch daraus wurde nichts: &#8222;Die Aufnahme von Lutz Jankus ist aufgrund der ehemaligen NPD-Mitgliedschaft nicht m\u00f6glich und wurde abgelehnt&#8220;, zitiert das Blatt aus dem internen Sitzungsprotokoll.<\/p>\n<p>Einer Aufnahme stand in diesem Falle die Unvereinbarkeitsliste der AfD entgegen. Die Partei hatte das bisher nicht publik gemacht, auch Jankus ging damit nicht offen um. Den Umstand, kein Mitglied zu sein, erkl\u00e4rte er zun\u00e4chst mit &#8222;meiner Vita&#8220;: Nachdem man ihn zu DDR-Zeiten dr\u00e4ngen wollte, der SED beizutreten, habe er kein Interesse mehr, einer Partei anzugeh\u00f6ren. Erst auf nochmalige Nachfrage r\u00e4umte er ein, &#8222;vor 30 Jahren kurzzeitig in der NPD&#8220; gewesen zu sein. Von ihr habe er sich wieder gel\u00f6st, nachdem sie sich radikalisierte.<\/p>\n<p>Allerdings war die NPD, die im M\u00e4rz 1990 und damit noch zu DDR-Zeiten unter der Tarnbezeichnung &#8222;Mitteldeutsche Nationaldemokraten&#8220; (MND) einen Ost-Ableger gr\u00fcndete, auch damals bereits eine neonazistische Partei. Ab 1991 stand mit G\u00fcnter Deckert ein Holocaustleugner an ihrer Spitze. Weiter wollte Jankus sein damaliges Engagement nicht erkl\u00e4ren, lehnt die NPD heute aber ab. Der Zeitung sagte er, es handle sich bei ihr um eine &#8222;sozialistische Partei&#8220;, die \u2013 so sieht er das \u2013 eher links stehe.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Chrupalla und Wippel wussten bescheid<\/span><\/h3>\n<p>Pikant an der Personalie: Als Jankus eine Aufnahme in der AfD verwehrt wurde, f\u00fchrte mit Tino Chrupalla bereits der heutige Bundesvorsitzende der AfD den Kreisverband an. Sein Stellvertreter war damals der Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel. Beide kannten folglich die Vergangenheit, hatten aber keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste. So trat Jankus im vergangenen Jahr f\u00fcr die AfD erfolgreich zur Kreistagswahl an. Bekanntester Kandidat: Chrupalla. Die AfD stellt heute die st\u00e4rkste Kreistagsfraktion, neben dem Ex-NPD-Mann geh\u00f6ren ihr unter anderem auch Chrupalla und Wippel, die Ex-Abgeordnete Silke Grimm sowie Roberto Kuhnert und Mario Kumpf an, die sp\u00e4ter den Sprung ins Landesparlament schafften.<\/p>\n<p>Zur G\u00f6rlitzer Stadtratswahl, die ebenfalls 2019 stattfand, stand Jankus gar auf dem dritten Platz der AfD-Liste. Spitzenkandidat: Wippel. Zwar sammelte Jankus vergleichsweise wenige Stimmen, schaffte es aber trotzdem in das Kommunalgremium. Auch dort ist die AfD die st\u00e4rkste Fraktion. Die Wahl des Vorsitzenden fiel damals \u00fcberraschend aus, Jankus galt als ein unbeschriebenes Blatt in der Stadt und ist, wie sich jetzt best\u00e4tigte, nicht einmal Parteimitglied. F\u00fcr ihn sprachen aber seine &#8222;rhetorische St\u00e4rke&#8220;, hie\u00df es, und dass er es verm\u00f6ge, Sebastian Wippel &#8222;den R\u00fccken freizuhalten&#8220;. Der Abgeordnete arbeitet bis heute regelm\u00e4\u00dfig mit Jankus zusammen, als Schriftf\u00fchrer im Fraktionsvorstand.<\/p>\n<p>Mitte der 2000er lie\u00df sich Jankus in G\u00f6rlitz mit einer Anwaltskanzlei nieder, spezialisiert auf deutsch-polnische F\u00e4lle. Sp\u00e4ter engagierte er sich im Elternrat einer \u00f6rtlichen Schule, wurde zudem stellvertretender Vorsitzender eines Schwimmsportvereins, in dessen Vorstand er nach wie vor sitzt. Um seinen wahren Beruf gab es kurzen Wirbel im vergangenen Jahr, denn auf Wahlzetteln zur Kommunalwahl wurde er als &#8222;Rechtsanwalt&#8220; bezeichnet, der er l\u00e4ngst nicht mehr war. Nach eigenen Angaben habe er seine Zulassung bereits 2014 &#8222;aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden&#8220; zur\u00fcckgegeben, bietet seitdem nur noch Polnisch-\u00dcbersetzungen an. Schon zuvor soll ihm eine Anwaltszulassung f\u00fcr Polen gefehlt haben.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Keine aktuelle Stellungnahme<\/span><\/h3>\n<p>Wer noch weiter zur\u00fcckschaut, findet interessante Spuren. Im Jahr 1999 druckte das <i>Ostpreu\u00dfenblatt<\/i>, das heute <i>Preu\u00dfische Allgemeine Zeitung<\/i> hei\u00dft, einen Leserbrief Jankus&#8216; ab. Er schrieb darin in szenetypischer Diktion von &#8222;alliiertem Bombenterror&#8220;, schimpfte au\u00dferdem auf &#8222;Sozialisten von braun bis rot&#8220;. Sp\u00e4ter, im Jahr 2005, bewarb er seine neue G\u00f6rlitzer Kanzlei mit einer Anzeige in der neurechten Wochenzeitung <i>Junge Freiheit<\/i>, die heute der AfD nahesteht.<\/p>\n<p>Nach <i>idas<\/i>-Informationen war er bereits seit 1994 Abonnent des Blattes, das damals zu einer Anschrift in Halle\/Saale geliefert wurde. Sein Name findet sich schlie\u00dflich auch unter eine Reihe von Petitionen des rechtsradikalen Spektrums. Aus den Reihen der G\u00f6rlitzer AfD gibt es noch keine Stellungnahme. Jankus ist dort nicht der einzige Mandatstr\u00e4ger, der mit der extremen Rechten in Kontakt gekommen ist: Gemeinsam mit ihm im Stadtrat sitzt Thomas Seliger. Dessen Name taucht in der Kundenkartei eines bekannten Szene-Textilversandes auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kommunalpolitiker Lutz Jankus war fr\u00fcher bei der neonazistischen NPD aktiv. Die AfD nahm ihn deshalb nicht auf \u2013 in G\u00f6rlitz kooperiert man trotzdem, lie\u00df ihn zu Wahlen antreten, machte ihn gar zum Chef der m\u00e4chtigen Stadtratsfraktion. 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