{"id":244,"date":"2020-01-26T14:54:01","date_gmt":"2020-01-26T13:54:01","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=244"},"modified":"2020-12-08T18:45:07","modified_gmt":"2020-12-08T17:45:07","slug":"der-afd-gemachte-treibhauseffekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=244","title":{"rendered":"Der AfD-gemachte Treibhauseffekt"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren keilt die AfD im Landkreis Mittelsachsen gegen den soziokulturellen Verein Treibhaus D\u00f6beln. Es ist ein Kampf gegen die Zivilgesellschaft mit unfairen Mitteln: Nach mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreicher und anerkannter Arbeit stehen F\u00f6rderung und Zukunft des Projekts auf der Kippe. Wie konnte es so weit kommen? Rekonstruktion einer blauen Kampagne.<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<p>Es ist eine simple Formalie, eigentlich. Der Kulturkonvent Erzgebirge-Mittelsachsen, ein Gremium der Kreistage beider Landkreise, wird am Mittwoch bei seiner Sitzung in Marienberg entscheiden, ob der <a href=\"https:\/\/treibhaus-doebeln.de\/\">Verein Treibhaus D\u00f6beln<\/a> Geld bekommt oder nicht. Der Konvent hat f\u00fcr das Jahr 2020 bereits Finanzmittel in H\u00f6he von knapp 20 Millionen Euro an 175 Kultureinrichtungen in der Region verteilt. Noch nicht freigegeben wurde ein Zuschuss, den der Treibhaus-Verein gerne h\u00e4tte, den er ordentlich beantragt und in den Vorjahren erhalten hat. Es geht um rund 100.000 Euro, einen Gro\u00dfteil des Etats, auf den der Verein aus dem mittels\u00e4chsischen D\u00f6beln angewiesen ist.<\/p>\n<p>Der Verein existiert seit 1997, er bietet Kultur- und Bildungsveranstaltungen an, vom Skateworkshop bis zum Seniorentanz reicht das Angebot. Kernst\u00fcck ist das Caf\u00e9 Courage, eine offene Begegnungs- und Veranstaltungsst\u00e4tte. Mit solchen Freir\u00e4umen strahlt der Verein in die Zivilgesellschaft der ganzen Region aus, wo vergleichbare Projekte rar ges\u00e4t sind. Es ist ein kleiner Leuchtturm der Alternativkultur, ein anerkannter Tr\u00e4ger der freien Jugendhilfe zudem. Doch seit kurzem h\u00e4ngt alles in der Schwebe, die Zukunft des Vereins ist in Gefahr, das Caf\u00e9 Courage bietet schon nur noch stark eingeschr\u00e4nkte \u00d6ffnungszeiten an. Das ist das Werk der AfD.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Aberwitzige Vorw\u00fcrfe<\/span><\/h3>\n<p>Bereits Anfang Dezember sollte die Entscheidung \u00fcber die F\u00f6rderung fallen, aber der Kulturkonvent vertagte sich. Der Grund sind Vorbehalte der beiden AfD-Vertreter in dem siebenk\u00f6pfigen Gremium. Das ist zum einen Thomas M\u00fcller aus Breitenbrunn im Erzgebirgskreis, wo er auch im Kreistag sitzt. Das ist zum anderen J\u00f6rg Bretschneider aus Reinsberg, Kreisrat in Mittelsachsen. Die beiden AfD-M\u00e4nner haben nur eine beratende Rolle, sind gar nicht stimmberechtigt. Aber einer von ihnen nahm auf den Verlauf der Dezembersitzung erfolgreich Einfluss: Bretschneider hat eine Sammlung von Fotos aus dem Caf\u00e9 Courage ins Internet gestellt, wo er nach eigenen Angaben jemanden \u201evorbeigeschickt\u201c hatte, um verdeckt Aufnahmen zu fertigen.<\/p>\n<p>Die Bilder zeigen Aufkleber und Plakate, unter anderem mit Motiven linker Gruppen und antifaschistischer Initiativen. Die AfD interpretiert die Inhalte auf ihre ganz eigene Weise: Den Spruch \u201eAntifa in die Offensive\u201c versteht sie als &#8222;Aufruf zur aktiven Beteiligung an Straftaten&#8220;. Das bekannte \u201eGood Night White Pride\u201c-Logo sei ein &#8222;rassistischer Gewaltaufruf&#8220; gegen \u201eWei\u00dfe\u201c. Und ein Konzertplakat der Musikerin Ira Atari soll &#8222;Werbung f\u00fcr eine ausl\u00e4ndische Terrorgruppe&#8220; sein, die I.R.A. Das belege doch, meint die AfD, dass der Treibhaus-Verein &#8222;unter dem Deckmantel politischer Bildungs- und Sozialarbeit&#8220; eine &#8222;militante Subkultur&#8220; f\u00f6rdere, die demokratische Grundordnung unterwandere. Der Verein sei in Wirklichkeit &#8222;linksextrem&#8220;, deshalb soll er ab sofort leer ausgehen. Wenn das passiert, werden f\u00fcnf Stellen wegbrechen. Das Treibhaus wird seine Angebote stark zur\u00fcckfahren oder ganz aufgeben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>So muss es nicht kommen. Die Entscheidungen im Kulturkonvent treffen am Ende zwei CDU-M\u00e4nner, die beiden Landr\u00e4te Mittelsachsens und des Erzgebirgskreises. Einer von ihnen, der mittels\u00e4chsische Landrat Matthias Damm, hat sich die Vorbehalte der AfD offenbar zueigen gemacht. Obwohl selbst der s\u00e4chsische Verfassungsschutz erkl\u00e4rt hat, dass am &#8222;Linksextremismus&#8220;-Vorwurf nichts dran ist. Und obwohl mehr als 200 teils namhaften Unterst\u00fctzer*innen dem Landrat in einem offenen Brief versicherten, dass das D\u00f6belner Treibhaus eine wichtige Institution ist, &#8222;die durch die Vermittlung von Demokratie, Humanismus, Toleranz und Menschenfreundlichkeit eine dankenswerte Arbeit in unserer Gesellschaft leistet.&#8220;<\/p>\n<p>Vom Kulturkonvent erhielt der Verein einstweilen keine F\u00f6rderzusage, sondern wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert. Der Verein gab sie ab. Damm reicht das nicht. Der Verein hat auch einige Aufkleber und Plakate entfernt. Das gen\u00fcgt der AfD nicht, die noch einiges mehr auszusetzen hat. Unter anderem mangele es dem Treibhaus an &#8222;\u00dcberparteilichkeit&#8220;, von einem Missbrauch des Hausrechts ist au\u00dferdem die Rede. So verwies die Partei etwa darauf, dass zu Vereinsveranstaltungen keine Anh\u00e4nger*innen der rechten Szene kommen d\u00fcrfen. Das stimmt. Und das hat gute Gr\u00fcnde, denn der Verein ist aus diesem Spektrum heraus immer wieder angegriffen worden, Autos von Mitgliedern und Angestellten wurden angez\u00fcndet. Anfang 2007 \u00fcberfiel ein regelrechtes Rollkommando einen Kabarettabend im Caf\u00e9 Courage. Die T\u00e4ter geh\u00f6rten der sp\u00e4ter verbotenen Neonazi-Kameradschaft &#8222;Sturm 34&#8220; an, sie verletzten mehrere Besucher*innen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Der Hintermann<\/span><\/h3>\n<p>Fr\u00fcher waren es Neonazis und die NPD, die sich am Verein rieben. Einer der eifrigsten Treibhaus-Gegner der Gegenwart ist Rolf Weigand aus Gro\u00dfschirma bei Freiberg, der Nachbargemeinde von Reinsberg, wo Bretschneider lebt. Weigand ist der ungleich wichtigere AfD-Politiker. Einer, der sich gern in der Traditionskluft eines Bergmannes zeigt, der er nie war. Er ist promovierter Ingenieur, hat an der Bergakademie Freiberg studiert. Zuletzt war er dort noch mit einer Viertelstelle besch\u00e4ftigt als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Heiko He\u00dfenkemper, dem ehemaligen Leiter des Instituts f\u00fcr Keramik, Glas- und Baustofftechnik.* Vor Ort ist scherzhaft vom \u201eFachbereich Braunglas\u201c die Rede, seitdem He\u00dfenkemper, ein ausgemachter Rechtsausleger, 2017 f\u00fcr die AfD in den Bundestag einzog.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-245\" src=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/files\/2020\/01\/weigand.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"661\" srcset=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/files\/2020\/01\/weigand.jpg 1000w, https:\/\/idas.noblogs.org\/files\/2020\/01\/weigand-300x198.jpg 300w, https:\/\/idas.noblogs.org\/files\/2020\/01\/weigand-150x99.jpg 150w, https:\/\/idas.noblogs.org\/files\/2020\/01\/weigand-768x508.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><small><i>Rolf Weigand, hier im Kommunalwahlkampf 2015 gemeinsam mit Romy Penz. Beide sitzen inzwischen im Landtag.<\/i><\/small><\/p>\n<p>Weigand legte eine steile Parteikarriere hin, kam 2018 als sogenannter Nachr\u00fccker in den Landtag und wurde 2019 erneut gew\u00e4hlt, als Direktkandidat mit mehr als einem Drittel der Erststimmen. Er sitzt auch im mittels\u00e4chsischen Kreistag sowie im Stadtrat seines Wohnortes, dort ist er sogar stellvertretender B\u00fcrgermeister. Aus AfD-Sicht ist der 35-J\u00e4hrige schon keine Nachwuchshoffnung mehr, sondern ein \u00dcberflieger. Er gilt als einer der Initiatoren des Prangerportals \u201eLehrer-SOS\u201c. Durch Parlamentsanfragen erkundigte er sich namentlich nach Lehrer*innen, weil sie sich im Unterricht angeblich kritisch \u00fcber seine Partei ge\u00e4u\u00dfert haben. Oder weil sie auch nur einen Ausschnitt der ZDF-Satiresendung &#8222;Heute Show&#8220; vorf\u00fchrten.<\/p>\n<p>Auch zum Treibhaus fragte er bei der Regierung nach, mehrfach sogar. Er wollte wissen, wie viel Geld aus welchen T\u00f6pfen des Freistaates ausgereicht wurden, in welche Einzelvorhaben die Mittel flossen und ob sie ordnungsgem\u00e4\u00df verwendet und abgerechnet wurden. Das Sozialministerium antwortete ganz klar: Es gibt da nichts zu beanstanden. Die neueste Anfrage ist noch ganz frisch und unbeantwortet. Weigand unterstellt dem Verein nun, nicht &#8222;neutral&#8220; zu sein und damit gegen F\u00f6rderrichtlinien zu versto\u00dfen, offenbar mit dem Ziel, dass k\u00fcnftig auch die Landeszusch\u00fcsse gestrichen werden. Der Abgeordnete moniert schon l\u00e4nger, dass sich der Verein durch Ver\u00f6ffentlichungen und Veranstaltungen gegen seine Partei wende, und das d\u00fcrfe nicht sein. Also will er das Treibhaus finanziell austrocknen.<\/p>\n<p>Mit dem Treibhaus legte sich Weigand erstmals 2017 an, wegen einer Bagatelle, f\u00fcr die der Verein nichts konnte. Damals durfte die AfD einen Ratssaal im nahegelegenen Ro\u00dfwein nicht f\u00fcr eine Wahlkampfveranstaltung nutzen \u2013 Weigand f\u00fchlte sich benachteiligt. Bald darauf fand dort aber eine Treibhaus-Veranstaltung statt, gemeinsam mit der Amadeu-Antonio-Stiftung. Es ging um eine kritische Auseinandersetzung mit der Neuen Rechten \u2013 Weigand f\u00fchle sich angesprochen. In einem Schreiben an die Stadt protestierte er und behauptete, dass die Stiftung ma\u00dfgeblich von Personen gesteuert werde, &#8222;die linksextremistischen Gruppen nahestehen oder aktiv darin mitwirken&#8220;. Der Verein werde au\u00dferdem durch \u201eoffen linksextremistische Gruppen\u201c unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Erfolgreiche Drohungen und versch\u00e4rfter Tonfall<\/span><\/h3>\n<p>Stichhaltige Belege lieferte er nicht mit und reichte bis heute keine nach. So war es auch in anderen F\u00e4llen, etwa, als ebenfalls Weigand erfolgreich das Freiberger Theater unter Druck setzte. Dort hatte im M\u00e4rz 2019 eine Buchlesung \u00fcber &#8222;rechte Christen&#8220; stattfinden sollen. Die Veranstaltung musste kurzfristig verlegt werden, nach Aufforderung der AfD und gegen den Willen des Intendanten. Freibergs Oberb\u00fcrgermeister verteidigte die Verlegung und machte sich das AfD-Argument zueigen, das Theater m\u00fcsse auf &#8222;strikte Neutralit\u00e4t&#8220; achten, derartige Veranstaltungen d\u00fcrfe es dort also nicht geben. Und die \u00f6rtliche AfD setzte mit einer Drohung nach: Falls am Theater doch wieder &#8222;linksgr\u00fcne Parteiideologie&#8220; verbreitet werde, m\u00fcsse man dar\u00fcber nachdenken, die F\u00f6rderung zu k\u00fcrzen. Das war eine Machtprobe, gewonnen in Zeiten des Kommunalwahlkampfs.<\/p>\n<p>Das Treibhaus hat sich nicht gef\u00fcgig machen lassen, aber die Partei versuchte es weiter. Nachdem es Anfang vergangenen Jahres einen Angriff auf ein D\u00f6belner AfD-B\u00fcro gab, verbreitete die dortige AfD-Stadtratsfraktion das Ger\u00fccht, einer der Tatverd\u00e4chtigen sei im Caf\u00e9 Courage gewesen. Das liegt nur einige hundert Meter vom Tatort entfernt. Aber auf mehr als das kann die Partei nicht verweisen. Sie hat schlicht keine Belege f\u00fcr einen Zusammenhang, nicht einmal Indizien. Dem Vernehmen nach wurden auch bei den Ermittlungen keine gefunden. Die zust\u00e4ndige Staatsanwaltschaft best\u00e4tigt das.<\/p>\n<p>Dennoch stieg Weigand wieder in das Thema ein. Im Mai 2019 sandte er eine Pressemitteilung aus, in der er dem Verein abermals vorwarf, &#8222;offen mit linksextremistischen Gruppierungen&#8220; zu sympathisieren sowie F\u00f6rdermittel &#8222;zum Kampf gegen den Staat&#8220; zu missbrauchen. Auch in diesem Falle wurden nie Beweise vorgezeigt. Aber die Stimmungsmache hat ausgereicht, um dem Verein zu schaden und ihn in die Situation zu bringen, in der er aktuell steckt. Denn der D\u00f6belner Stadtrat, in dem CDU und AfD gemeinsam die absolute Mehrheit haben, bewilligte im vergangenen Jahr nur noch einen Teil der bei der Kommune beantragten F\u00f6rdersumme. Die wiederum ist eine Voraussetzung daf\u00fcr, dass der Kulturkonvent unkompliziert Geld freigibt.<\/p>\n<p>Jetzt, unmittelbar vor der Entscheidung des Kulturkonvents, hat die mittels\u00e4chsische AfD nachgelegt und eine Online-Petition gestartet, den Ton damit nochmals versch\u00e4rft. Die Rede ist von &#8222;linksextremistischer Gewaltpropaganda&#8220;, die der Verein seit Jahren angeblich dulde. Die Leute dort seien &#8222;Randalepaten&#8220; und &#8222;Menschen, die unser Land aufl\u00f6sen und meistbietend an Gl\u00fccksritter verh\u00f6kern wollen, denen das Messer locker sitzt&#8220;.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Hinter Weigands Fassade<\/span><\/h3>\n<p>Auf der Website der mittels\u00e4chsischen AfD steht neuerdings auch: &#8222;Man kann andere nicht wegen Extremismus anklagen, wenn man ihn selber lebt und Gewaltverherrlichung betreibt.&#8220; Das macht es erst recht schwer zu verstehen, warum die Auffassungen Weigands und seiner Truppe dar\u00fcber, was als &#8222;extremistisch&#8220; zu gelten habe, ma\u00dfgeblich sein k\u00f6nnen. Weigand ist der aktuelle Landesvorsitzende der Jungen Alternative, also des AfD-Nachwuchsverbandes, der unter amtlichem Verdacht steht, verfassungsfeindlich zu sein. Sein Vorg\u00e4nger Matthias Scholz war zur\u00fcckgetreten aufgrund von Vorw\u00fcrfen, er habe bei einer Kneipentour in Dresden einen anderen Gast rassistisch beschimpft (\u201eBimbo\u201c) sowie gemeinsam mit einem Freund im Wechsel \u201eSieg\u201c und \u201eHeil\u201c skandiert.<\/p>\n<p>Weigand geh\u00f6rt dem AfD-Kreisverband Mittelsachsen an, sitzt dort im Vorstand. Einer seiner Vorstandskollegen war bis vor einer Weile Hendrik Seidel, ein langj\u00e4hriger Mitarbeiter des s\u00e4chsischen Verfassungsschutzes. Dort flog er raus, nachdem er sich vor laufender Kamera mit der Identit\u00e4ren Bewegung solidarisiert hatte, die durch das Amt beobachtet wird. Aktueller Beisitzer im Kreisvorstand ist Bernd Gwiadowski, der zugleich f\u00fcr den Bundestagsabgeordneten He\u00dfenkemper arbeitet. Gwiadowski ist besser bekannt unter seinem Szene-Spitznamen \u201eSchwein\u201c. So wurde er genannt, als er dem inzwischen in Sachsen verbotenen, rechtslastigen &#8222;Gremium MC&#8220; angeh\u00f6rte. &#8222;Schweins&#8220; Rockerkarriere brachte ihn Anfang der 2000er Jahre f\u00fcr mehrere Jahre ins Gef\u00e4ngnis, denn er hatte den bewaffneten \u00dcberfall auf einen konkurrierenden Club in D\u00f6beln geplant und vorbereitet. Bei der brutalen Aktion wurde ein gegnerischer Rocker-Pr\u00e4sident kaltbl\u00fctig erschossen. Gwiadowski, der Drahtzieher, ist heute nicht nur Weigands Parteifreund und Vorstandskollege, sondern &#8222;Sicherheitsbeauftragter&#8220; der Mittelsachsen-AfD.<\/p>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeit m\u00f6chte der Abgeordnete Weigand lieber als ernsthafter Bildungspolitiker r\u00fcberkommen, was ihm bislang kaum gelingt. Stattdessen wurde er bekannt als einer, der eine \u201eNo Way\u201c-Politik fordert, &#8222;die schon an der nordafrikanischen Grenze endet&#8220;, wie er sagt, und die Migrant*innen an einem Zugang nach Europa g\u00e4nzlich hindern soll. F\u00fcr die Zeit nach der Landtagswahl hatte er \u201eeine Abschiebekultur in Sachsen&#8220; angek\u00fcndigt. Bei einer seiner ersten Landtagsreden als frischgebackener Parlamentarier griff er einen Gr\u00fcnen-Politiker homophob an und rief ihm zu, er solle erst einmal \u00fcber seine sexuelle Orientierung nachdenken, bevor er seine Meinung sagt. Und in einer Pressemitteilung aus dem vergangenen Fr\u00fchjahr behauptete er, Sexualdelikte gegen Kinder und Jugendliche w\u00fcrden haupts\u00e4chlich durch Muslime begangen. Das war glatt gelogen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">AfD will die Zivilgesellschaft schleifen<\/span><\/h3>\n<p>Die AfD-Kampagne in D\u00f6beln steht nicht f\u00fcr sich allein. \u00c4hnliche Versuche, missliebige Projekte zu besch\u00e4digen, indem man sie hartn\u00e4ckig verleumdet, gibt es vielerorts. Diese Methode beherrscht auch der Abgeordnete Carsten H\u00fctter, der regelrecht damit kokettiert, wie oft das durch ihn mitgenutzte B\u00fcro in Chemnitz attackiert wird: Er will es damit &#8222;ins Guinness-Buch der Rekorde&#8220; schaffen, diktierte er einmal der Presse in den Block. Von \u201eAnschl\u00e4gen\u201c und \u201eAttentaten\u201c spricht er schon dann, wenn ein neuer Anti-AfD-Aufkleber an der B\u00fcrofassade pappt. Nach einem Fall im Fr\u00fchjahr 2016 behauptete er, die unbekannten T\u00e4ter*innen seien &#8222;aus einem nahe gelegenen alternativen Jugendzentrum in Chemnitz&#8220; gekommen. Belege nannte der Politiker nicht, was ihn nicht davon abhielt, die Behauptung noch mehrfach zu wiederholen. Sie zielt auf das \u00f6rtliche AJZ ab, an dem sich die Partei seit Jahren abarbeitet.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es in Leipzig. Dort forderte Stadtrat J\u00f6rg K\u00fchne \u2013 heute sitzt er ebenfalls im Landtag \u2013 im Sommer 2017, alternativen Kulturst\u00e4tten wie dem Werk 2 und dem Conne Island die F\u00f6rderung zu entziehen, &#8222;solange nicht zweifelsfrei gekl\u00e4rt ist&#8220;, dass F\u00f6rdergelder &#8222;nicht zweckentfremdet zur Vorbereitungen f\u00fcr Gewalttaten auf Menschen oder Sachwerte genutzt werden&#8220;. Diese Unterstellung st\u00fctzte sich nicht einmal auf einen konkreten Vorfall. Es gen\u00fcgte f\u00fcr K\u00fchne zu wissen, dass sich beide Locations im Stadtteil Connewitz befinden.<\/p>\n<p>Inzwischen haben s\u00e4chsische AfD-Abgeordnete eine ganze Flut von Landtagsanfragen losgetreten, in denen zahlreiche soziokulturelle und zivilgesellschaftliche Projekte abgecheckt werden: Wohin flie\u00dft wie viel Geld? Flie\u00dft es vielleicht zu denen, die mit der AfD nicht konform gehen? Die Partei, sie sucht und markiert ihre Feinde, und sie denkt l\u00e4ngst in gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfst\u00e4ben. So will die Landtagsfraktion gleich das ganze Landesprogramm &#8222;Weltoffenes Sachsen&#8220; (WOS) einstampfen, das f\u00fcr die Zivilgesellschaft ma\u00dfgeblichen F\u00f6rderprogramm im Freistaat. Die Argumentation folgt dem bekannten Muster. Anfang vergangenen Jahres behauptete der Landes- und Fraktionsvorsitzende J\u00f6rg Urban, von den WOS-Mitteln profitierten &#8222;Linksextreme, die vor Gewalt gegen politische Gegner nicht zur\u00fcckschrecken&#8220;. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem das zutrifft, Urban selbst nannte keine Fakten.<\/p>\n<p>Fakt ist aber: Fiele das WOS weg, k\u00e4me das einem Kahlschlag in der Demokratief\u00f6rderung und Soziokultur, der historischen und politischen Bildung, der offenen Kinder- und Jugendarbeit gleich. D\u00f6beln ist nur der Anfang.<\/p>\n<hr>\n<p>* <em>Anders, als es zun\u00e4chst im Artikel hie\u00df, nimmt He\u00dfenkemper das Professorenamt derzeit nicht wahr. Als Institutsleiter wird er vertreten. Wir bitten die Unklarheit zu entschuldigen und danken f\u00fcr den Hinweis.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren keilt die AfD im Landkreis Mittelsachsen gegen den soziokulturellen Verein Treibhaus D\u00f6beln. Es ist ein Kampf gegen die Zivilgesellschaft mit unfairen Mitteln: Nach mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreicher und anerkannter Arbeit stehen F\u00f6rderung und Zukunft des Projekts auf der Kippe. Wie konnte es so weit kommen? 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