{"id":2360,"date":"2020-06-22T16:14:32","date_gmt":"2020-06-22T14:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2360"},"modified":"2020-12-08T18:39:52","modified_gmt":"2020-12-08T17:39:52","slug":"burgstaedt-polizist-und-neonazi-wollen-sich-afd-buehne-teilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2360","title":{"rendered":"Burgst\u00e4dt: Polizist und Neonazi wollen sich AfD-B\u00fchne teilen"},"content":{"rendered":"<p>Am Freitag will der Neonazi Andreas Kalbitz erneut bei einer AfD-Kundgebung in Sachsen sprechen, diesmal im mittels\u00e4chsischen Burgst\u00e4dt. Ebenfalls angek\u00fcndigt wird der Landtagsabgeordnete Lars Kuppi \u2013 ein Polizeibeamter und langj\u00e4hriger Funktion\u00e4r der Deutschen Polizeigewerkschaft. Wie passt das zusammen?<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<hr>\n<p><i><small>Im Bild (von links): Neonazi Andreas Kalbitz, Polizist Lars Kuppi und Gewaltstraft\u00e4ter Bernd Gwiadowski.<\/small><\/i><\/p>\n<hr>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Weiteres Fl\u00fcgel-Schaulaufen<\/span><\/h3>\n<p>Der Neonazi Andreas Kalbitz soll erneut bei einer AfD-Kundgebung in Sachsen auftreten. Er wird derzeit als Redner einer Versammlung der Partei angek\u00fcndigt, die unter dem Motto &#8222;Grundrechte verteidigen&#8220; am Freitagabend auf dem Marktplatz in Burgst\u00e4dt (Landkreis Mittelsachsen) stattfinden soll. Organisiert wird das Treffen, das um 19 Uhr beginnt, durch die dreik\u00f6pfige Stadtratsfraktion um den Kfz-Monteur Matthias Hofmann, der auch im Kreistag sitzt. Als Unterzeichner der <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1421\">Dresdner Erkl\u00e4rung<\/a> und einiger weiterer Petitionen, die sich mit Kalbitz solidarisieren und den R\u00fccktritt des Bundesvorsitzenden J\u00f6rg Meuthen fordern, darf er zum <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2204\">hiesigen Fl\u00fcgel-Spektrum<\/a> gerechnet werden.<\/p>\n<p>Kalbitz ist einer der Anf\u00fchrer dieser verfassungsfeindlichen Str\u00f6mung und war bereits vor kurzem umjubelter Redner einer AfD-Kundgebung <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2262\">in Sebnitz<\/a> (Landkreis S\u00e4chsische Schweiz-Osterzegbirge), an der auch die Spitze der s\u00e4chsischen Landespartei teilnahm. Zu diesem Zeitpunkt war er vor\u00fcbergehend parteilos. <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=2328\">Seit Freitag<\/a>, f\u00fcnf Wochen nach der Annullierung seiner Mitgliedschaft, geh\u00f6rt er der AfD wieder an. Er wird sich daher entscheiden m\u00fcssen, ob er nach Burgst\u00e4dt kommt oder in Berlin an einer f\u00fcr den gleichen Tag angesetzten Pr\u00e4senzsitzung des Bundesvorstands teilnimmt, dem er ab sofort wieder angeh\u00f6ren darf.<\/p>\n<p>Derzeit wird f\u00fcr die Kundgebung unver\u00e4ndert mit Kalbitz als Redner geworben, er ist das Zugpferd, das mehrere hundert Teilnehmende anlocken soll. Zum Vergleich: Mitte Mai kamen zu einer AfD-Kundgebung in Burgst\u00e4dt, die sich gegen die Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie richtete und keine Politprominenz aufbieten konnte, kaum 30 Leute. Das reichte nicht einmal f\u00fcr eine kleine Zeitungsmeldung. Neben Kalbitz und dem Gastgeber Hofmann soll nun au\u00dferdem der s\u00e4chsische Bundestagsabgeordnete Jens Maier sprechen, ein Routine-Redner, der bis vor kurzem offizieller &#8222;Obmann&#8220; des Fl\u00fcgels war. Ebenfalls ans Mikrofon will der Landtagsabgeordnete Lars Kuppi. Er ist weniger bekannt, k\u00f6nnte seiner Partei aber neue Probleme bescheren.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">&#8222;In der AfD nichts zu suchen&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>Kommt die Kundgebung wie geplant zustande, wird n\u00e4mlich mit Kuppi ein s\u00e4chsischer Polizeibeamter auf \u00f6ffentlicher B\u00fchne einen amtsbekannten Rechtsextremisten unterst\u00fctzten, als der Kalbitz den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gilt. Beide sind sich bereits begegnet, Kuppi bewirbt die Kundgebung auch selbst, mit einer Grafik, die ihn in einer Reihe mit Kalbitz zeigt. Das kommt nicht gut an in Teilen der Polizei: &#8222;Herr Kuppi sollte sich fragen, ob er in der richtigen Partei ist oder im richtigen Beruf&#8220;, sagte J\u00f6rg Radek, Vize-Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), dem Nachrichtenportal <i>Tag24<\/i>. Ein Polizist habe &#8222;in der AfD nichts zu suchen.&#8220;<\/p>\n<p>Das sieht der 49-j\u00e4hrige Lars Kuppi wohl anders. Er stammt aus D\u00f6beln, hat f\u00fcnf Kinder, ist geschieden. Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitete er als Streifenbeamter in Revieren in Bautzen, D\u00f6beln und schlie\u00dflich Chemnitz, zuletzt im Rang eines Polizeiobermeisters. Er war stets parteilos, bis er im Anfang 2016 dem AfD-Kreisverband Mittelsachsen beitrat. Dort kam er rasch in den Vorstand, war eine Weile stellvertretender Vorsitzender, \u00fcbergangsweise leitete er den Verband sogar. Zeitweise war <a href=\"https:\/\/www.inventati.org\/leipzig\/?p=3737\">Hendrik Seidel<\/a> einer von Kuppis Vorstandskollegen, ebenfalls ein Beamter, der lange beim Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz arbeitete und dort rausflog, weil er vor laufender Kamera die &#8222;Identit\u00e4ren&#8220; lobte, die durch die Beh\u00f6rde beobachtet werden.<\/p>\n<p>Bei der Mittelsachsen-AfD war Kuppi vor allem f\u00fcr die Organisation und die Sicherheit von Parteiveranstaltungen verantwortlich. Sein Nachfolger in dieser Funktion hei\u00dft Bernd Gwiadowski, der ebenfalls aus D\u00f6beln kommt. Allerdings war er nicht bei der Polizei, sondern gewisserma\u00dfen auf der Gegenseite aktiv: in der Rockerszene, beim ber\u00fcchtigten &#8222;Gremium MC&#8220;, der \u00fcber gute Kontakte in die rechte Szene verf\u00fcgte und in Sachsen inzwischen verboten ist. Aus dieser Zeit r\u00fchrt Gwiadowskis Spitzname, man nennt ihn &#8222;Schwein&#8220;.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Dubioses Umfeld f\u00fcr einen Beamten<\/span><\/h3>\n<p>&#8222;Schwein&#8220; wurde 2001 zu einer vierj\u00e4hrigen Haftstrafe verurteilt, unter anderem wegen mehrfacher gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung, Bildung einer bewaffneten Gruppe sowie Haus- und Landfriedensbruch. Er war dabei gewesen, als seine vermummten Rocker im Februar 2000 einem konkurrierenden Club eine &#8222;Ansage&#8220; machten \u2013 und dabei angeblich versehentlich deren &#8222;Pr\u00e4sidenten&#8220; mit einer Pumpgun erschossen. Die Tatwaffe verschwand danach, vor Gericht gab es statt Aufkl\u00e4rung einen Deal. Der damalige Gremium-Chef nahm die Hauptschuld auf sich und Gwiadowski gestand, die Aktion geplant und die sp\u00e4teren Opfer des bewaffneten \u00dcberfalls ausspioniert zu haben. Heute ist er ganz offiziell &#8222;Sicherheitsbeauftragter&#8220; der AfD in Mittelsachsen, zudem erhielt er eine Anstellung beim Bundestagsabgeordneten Heiko He\u00dfenkemper.<\/p>\n<p>Was zieht ausgerechnet einen Polizisten wie Kuppi in die Gesellschaft solch ehrenwerter Leute? Die Aussicht auf eine Parteikarriere war es wohl nicht, sie zeichnete sich bislang nicht ab, schon Anfang 2018 verpasste er den Einzug in den AfD-Landesvorstand. Im vergangenen Jahr scheiterte er zudem daran, bei einem Parteitag einen aussichtsreichen Platz auf der Liste zur Landtagswahl zu ergattern. Erfolg hatte er eher unverhofft als Direktkandidat in einem mittels\u00e4chsischen Wahlkreis, wo er 31,7 Prozent der Stimmen holte, knapp zwei Punkte mehr als der CDU-Kandidat.<\/p>\n<p>In seinem Wahlkreis bekommt man Kuppi seitdem kaum zu Gesicht. Schon zu der Zeit, als er sich zum Direktkandidaten aufstellen lie\u00df, war er aus dem Kreisgebiet weggezogen, nach Chemnitz, wo er neuerdings seinen Dienst versah. Bei der Gelegenheit wechselte er in den Chemnitzer AfD-Kreisverband, ist dort im Vorstand aktiv und sitzt auch im Stadtrat. Den Kreisverband und die Stadtratsfaktion leitet einer seiner Landtagskollegen, der Jurist Volker Dringenberg. Er ist ein Fl\u00fcgel-Mann und Alter Herr der Akademischen Burschenschaft Markomannia Wien zu Deggendorf, die inzwischen durch den bayrischen Verfassungsschutz beobachtet wird, unter anderem wegen Kontakten zu den &#8222;Identit\u00e4ren&#8220;. Bekanntestes Mitglied der Burschenschaft war Otto Skorzeny, ein Offizier der Waffen-SS, ein Kriegsverbrecher.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Mehr Stra\u00dfen- als Parlamentspolitik<\/span><\/h3>\n<p>Kuppi selbst galt lange als eher gem\u00e4\u00dfigt. Das \u00e4nderte sich im Landtagswahlkampf, als er Bj\u00f6rn H\u00f6cke f\u00fcr eine Wahlkampfveranstaltung nach D\u00f6beln holte. Zuletzt war Kuppi auch einer der Erstunterzeichner der Dresdner Erkl\u00e4rung, die f\u00fcr die &#8222;Einheit&#8220; der Partei wirbt und die Einheit mit dem Fl\u00fcgel meint. Einer der Mitunterzeichner ist Andreas Kalbitz. Weniger schillernd ist derweil Kuppis Rolle im Landtag, wo er \u00e4u\u00dferst unauff\u00e4llig ist. F\u00fcr die AfD-Fraktion ist er Sprecher f\u00fcr Feuerwehr, Rettungswesen und Katastrophenschutz, er ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses.<\/p>\n<p>Mehr Elan legt der Politiker jenseits des Parlaments an den Tag, in den vergangenen Monaten war er vermehrt bei Kundgebungen zu sehen, beteiligte sich an einigen Corona-&#8222;Spazierg\u00e4ngen&#8220; und versucht sich auch selbst als Organisator. Anfang M\u00e4rz tauchte er beispielsweise mit einigen Parteifreund*innen und Transparenten am Amtsgericht in D\u00f6beln auf, um dort gegen ein aus Parteisicht zu mildes Urteil gegen drei M\u00e4nner zu protestieren, die eine sogenannte Kugelbombe vor dem \u00f6rtlichen AfD-B\u00fcro gez\u00fcndet hatten. Daf\u00fcr gab es Bew\u00e4hrungsstrafen, die Kuppi nicht gen\u00fcgen. Seiner Auffassung nach h\u00e4tte Anklage wegen versuchten Mordes oder versuchten Totschlags erhoben werden m\u00fcssen, sagte er der Presse. Was er nicht nennen konnte, sind Anhaltspunkte f\u00fcr einen T\u00f6tungsvorsatz. Kuppis Polizei-Kolleg*innen fanden daf\u00fcr im Zuge der Ermittlungen keinerlei Hinweise. <\/p>\n<p>Kuppi vers\u00e4umte es au\u00dferdem, seine Kundgebung anzumelden, und verstie\u00df damit gegen das Versammlungsgesetz. Gar nicht erst die M\u00f6glichkeit zu einer Anmeldung erhielt er am 20. April dieses Jahres, am &#8222;Hitlergeburtstag&#8220; in Chemnitz. Die extrem rechte Lokalpartei Pro Chemnitz lud damals \u2013 mit Unterst\u00fctzung einiger kommunaler AfD-Mandatstr\u00e4ger \u2013 zum <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1304\">ersten Corona-Protest in Sachsen<\/a> ein, eine Mini-Kundgebung, in deren Umfeld sich jedoch zahlreiche weitere rechtsgerichtete Personen sammelten und Rangeleien mit der Polizei vom Zaun brachen. Was AfD-Leute betrifft, seien die nur &#8222;Beobachter&#8220; gewesen, behauptete sp\u00e4ter der Chemnitzer Verband. Allerdings versuchte Kuppi sogar, vor Ort eine eigene Versammlung durchzuf\u00fchren. Seine uniformierten Kolleg*innen lie\u00dfen das aber nicht zu.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Von der DPolG zur AfD<\/span><\/h3>\n<p>Der kommende Auftritt mit Kalbitz verspricht Kuppi ein Ma\u00df an Aufmerksamkeit, das ihm sonst nie zukommt. Er kann Mobilisierungsf\u00e4higkeit vorzusch\u00fctzen, die er alleine gar nicht hat, und er wird voraussichtlich wieder auf alte Kolleg*innen treffen. Seitdem er im Landtag sitzt, ruht sein Beruf, die Polizei setzt ihn nicht mehr ein. Beamter ist er formal aber weiterhin, den Dienst k\u00f6nnte er zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt wieder aufnehmen, falls nichts dazwischenkommt. Und nach wie vor ist er auch Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Als AfD-Politiker, der in einer gewerkschafts\u00e4hnlichen Organisation mitwirkt, ist Kuppi ein seltener Fall. Au\u00dfer f\u00fcr ihn gilt das in der gro\u00dfen Landtagsfraktion nur noch f\u00fcr Sebastian Wippel, ebenfalls ein Polizist, ebenfalls in der DPolG.<\/p>\n<p>Das sorgte schon einmal f\u00fcr Verwicklungen: Im August 2016 hielt Wippel im Landtag eine Rede, in der er auf die Amokl\u00e4ufe und Terroranschl\u00e4ge in M\u00fcnchen, W\u00fcrzburg und Ansbach zu sprechen kam. &#8222;Leider hat es nicht die Verantwortlichen dieser Politik getroffen&#8220;, meinte der Abgeordnete damals und sorgte mit seiner Gewaltphantasie f\u00fcr so breite Emp\u00f6rung, dass sich der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt pers\u00f6nlich einschaltete. Er versicherte damals, dass es au\u00dfer Wippel &#8222;keine weiteren AfD-Mitglieder oder Funktionstr\u00e4ger&#8220; in der DPolG gibt. Aber das stimmte nicht. Denn zu dieser Zeit war der DPolG-Funktion\u00e4r Lars Kuppi bereits der Partei beigetreten.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich war er \u00fcberhaupt erst durch die DPolG zur AfD gesto\u00dfen: Als Gewerkschafter, so berichtete er es selbst einmal, habe er die M\u00f6glichkeit erhalten, mit der damaligen Lands- und Fraktionsvorsitzenden Frauke Petry &#8222;ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren&#8220;, das ihn von der Partei \u00fcberzeugt habe. Tats\u00e4chlich hatte sich die AfD fr\u00fchzeitig \u2013 und offenbar auch erfolgreich \u2013 um das Wohlwollen der DPolG bem\u00fcht. So bewarb die Partei im Fr\u00fchjahr 2015 eine Vortragsveranstaltung im Erzgebirge, zu der man sich einen nicht namentlich benannten &#8222;Vertreter der Deutschen Polizeigewerkschaft&#8220; eingeladen hatte. Kurz zuvor lie\u00df sich mit Michael Rommel ein Dresdner DPolG-Funktion\u00e4re f\u00fcr das Mitgliedermagazin der s\u00e4chsischen AfD befragen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">&#8222;Dieselben Ziele&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>Es gibt noch einige weitere Spuren. Da w\u00e4re etwa ein Foto, das im Juni 2016 im Landtag entstanden ist, in Fraktionsr\u00e4umen der AfD. Zu sehen sind darauf Frauke Petry, der Abgeordnete Carsten H\u00fctter sowie Sebastian Wippel \u2013 rund zwei Monate, bevor er sich einen Terroranschlag herbeisehnte. L\u00e4chelnd an ihrer Seite: Rainer Wendt, die s\u00e4chsische DPolG-Chefin Cathleen Martin und ihr Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Max Tr\u00f6ger. Von einem &#8222;konstruktiven Austausch&#8220; schrieb Wippel daraufhin bei Facebook, und: &#8222;Die DPolG und die AfD streiten in sehr vielen Punkten f\u00fcr dieselben Ziele.&#8220;<\/p>\n<p>Das war nicht verwunderlich, die DPolG f\u00e4llt h\u00e4ufiger mit Statements aus dem Sortiment des Rechtspopulismus auf, manche \u00c4u\u00dferungen des Vorsitzenden Wendt sind von der Sprache der AfD <a href=\"https:\/\/www.der-rechte-rand.de\/archive\/3174\/blaue-polizei-gewerkschaft\/\">nicht zu unterscheiden<\/a>. Im Falle der s\u00e4chsischen AfD hat Wippel auch nicht geblufft: Wenige Monate sp\u00e4ter fand im Innenausschuss des Landtags eine Anh\u00f6rung von Expert*innen statt, es ging um ein Gesetz zum Ausreisegewahrsam. Auch die s\u00e4chsische DPolG durfte dazu vortragen, als Sachverst\u00e4ndigen schickte sie: Lars Kuppi. Vorschl\u00e4ge, wer angeh\u00f6rt wird, unterbreiten die Landtagsfraktionen, jede f\u00fcr sich. Normalerweise wird nicht publik, von wem welcher Vorschlag kommt. In den Einladungen, die der Landtag verschickt, wird das nicht erw\u00e4hnt, zumeist k\u00f6nnen auch die Fraktionen nur mutma\u00dfen, wen die Konkurrenz herangeholt hat. Doch bei Kuppi lief es offensichtlich etwas anders.<\/p>\n<p>Zu seinem Auftritt erschien n\u00e4mlich ein Artikel im &#8222;Polizeispiegel&#8220;, dem DPolG-Mitgliedermagazin. Darin wurde ausdr\u00fccklich vermerkt, dass er durch die AfD eingeladen wurde. Am Ende des Beitrags sprach man der Rechtsau\u00dfen-Fraktion sogar einen ausdr\u00fccklichen Dank daf\u00fcr aus. Dass Kuppi selbst ein Parteibuch hat, erw\u00e4hnte man freilich nicht. Es gab inzwischen eine ganze Reihe weiterer DPolG-Auftritte im Landtag, bis in die Gegenwart hinein. Rainer Wendt selbst war schon zu Gast, meist kommt die s\u00e4chsische Vorsitzende Cathleen Martin vorbei, und zumindest einmal wurde sie definitiv durch die AfD als Sachverst\u00e4ndige benannt. Sie sprach dabei zu einem AfD-Antrag, zu dem alle anderen Fraktionen keinen Redebedarf und daher auch keine Expert*innen benannt hatten. Martin geh\u00f6rt der AfD indes nicht an, im vergangenen Jahr kandidierte sie f\u00fcr die in Sachsen rechtsgeneigten Freien W\u00e4hler erfolglos zur Landtagswahl. Hauptberuflich ist sie bei der Polizeidirektion Leipzig t\u00e4tig und dort Opferbeauftragte.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Name und Foto gel\u00f6scht<\/span><\/h3>\n<p>Cathleen Martin und Lars Kuppi kennen sich seit langem gut. Der heutige Abgeordnete trat der Vereinigung bereits 1992 bei, als er seine Polizeiausbildung begann. Seit 2009 ist er Mitglied im Vorstand des DPolG-Kreisverbandes Chemnitz, von 2015 bis 2017 \u2013 in dieser Phase wandte er sich der AfD zu \u2013 war er sogar stellvertretender Landesvorsitzender, die Nummer Zwei hinter Cathleen Martin. Und bis zum vergangenen Freitag war er weiterhin auf der offiziellen DPolG-Website verzeichnet, als Beisitzer des Chemnitzer Verbandes. Nachdem erste Presseberichte die Runde machten, die sich um Kuppis geplanten Auftritt mit dem Neonazi Andreas Kalbitz drehen, setzte die DPolG einen Tweet ab, dem zufolge der AfD-Mann doch kein Beisitzer sei. &#8222;Bitte sorgf\u00e4ltig recherchieren!&#8220;, hie\u00df es dazu.<\/p>\n<p>Dann begann man, Spuren zu verwischen. Nach wenigen Stunden verschwanden Name und Foto des Abgeordneten von der DPolG-Website, ohne jeden Kommentar. Wer jedoch sorgf\u00e4ltig recherchiert, findet auch jetzt noch offizielle DPolG-Dokumente, die Kuppis Namen im Kleingedruckten enthalten, Mitgliedsantr\u00e4ge zum Beispiel. Wer sich \u00fcber das merkw\u00fcrdige Vorgehen wundert, muss blo\u00df zur\u00fcckschauen: Es ist nicht das erste Mal, dass die s\u00e4chsische DPolG ins Zwielicht ger\u00e4t und mit blo\u00dfer Kosmetik reagiert. Vor rund acht Jahren gr\u00fcndete ihr damaliger Funktion\u00e4r Volker Sch\u00f6ne das &#8222;Deutsche Polizei Hilfswerk&#8220; (DPHW), eine Art uniformierte Reichsb\u00fcrger-Exekutive mit mehreren hundert Mitgliedern im ganzen Bundesgebiet.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne war selbst nie Polizist, verwaltete f\u00fcr die DPolG aber die F\u00f6rdermitglieder und geh\u00f6rte dadurch dem Landesvorstand an. Die sogenannte Gewerkschaft stellte ihm ein B\u00fcro zur Verf\u00fcgung, von dem aus er seinen extrem rechten Gefolgsleuten polizei\u00e4hnliche Uniformen verkaufte. Die echte Polizei stellte sp\u00e4ter Belege bei der DPolG sicher, bei einer Durchsuchung, die man aus R\u00fccksicht auf die Kolleg*innen in den Akten als &#8222;Nachschau&#8220; bezeichnet hat. Sch\u00f6nes Name und sein Foto wurden kommentarlos von der DPolG-Website gel\u00f6scht \u2013 doch erst Monate sp\u00e4ter schloss man ihn wirklich aus. Zu der Zeit hatte die Truppe bereits schlimme Schlagzeilen gemacht durch die &#8222;Festnahme&#8220; eines Gerichtsvollziehers, die schlichte Freiheitsberaubung war. Die Reichsb\u00fcrger filmten sich dabei. Sch\u00f6ne trug eine DPolG-Jacke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag will der Neonazi Andreas Kalbitz erneut bei einer AfD-Kundgebung in Sachsen sprechen, diesmal im mittels\u00e4chsischen Burgst\u00e4dt. Ebenfalls angek\u00fcndigt wird der Landtagsabgeordnete Lars Kuppi \u2013 ein Polizeibeamter und langj\u00e4hriger Funktion\u00e4r der Deutschen Polizeigewerkschaft. 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