{"id":172,"date":"2020-01-21T13:16:28","date_gmt":"2020-01-21T12:16:28","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=172"},"modified":"2020-01-21T13:25:58","modified_gmt":"2020-01-21T12:25:58","slug":"der-unbekannte-kandidat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=172","title":{"rendered":"Der unbekannte Kandidat"},"content":{"rendered":"<p>Christoph Neumann sitzt f\u00fcr die AfD im Bundestag, demn\u00e4chst will er in Leipzig Oberb\u00fcrgermeister werden. In der Messestadt ist er aber kaum bekannt. Eine Spurensuche zu der Frage: Wof\u00fcr steht und woher kommt der Politiker?<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<p>Die schnippische Antwort ist: Neumann kommt aus Leipzig, zumindest das ist gesichert. Hier wurde der 55-J\u00e4hrige geboren, und hier lebt er heute wieder, im Stadtteil L\u00fctzschena-Stahmeln. Er ist katholisch und verheiratet, hat zwei Kinder, engagiert sich im \u00f6rtlichen Heimatverein. Er hat, was \u00fcberrascht, nicht die Ausstrahlung eines Marktschreiers, die man sich vorstellt, wenn man an die AfD bei einer ostdeutschen Wahl denkt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Grenzsch\u00fctzer und Einwanderungshelfer<\/span><\/h3>\n<p>Neumann spricht langsam und leise, aggressiv kommt er nicht r\u00fcber. Die l\u00e4ngste Zeit seines Lebens war er auch kein Politiker: Anfang der 1980er Jahre machte er eine Tischlerlehre, studierte danach Maschinenbau und schloss als Diplom-Ingenieur-P\u00e4dagoge ab. Von 1989 bis 1992, so f\u00fchrt er es selber aus, war er beim \u201eGrenzschutz\u201c t\u00e4tig, zun\u00e4chst als Offizier in der DDR. Nach der Wiedervereinigung sei er als Polizeibeamter in den Bundesgrenzschutz (BGS) \u00fcbernommen und unter anderem am Schloss Bellevue eingesetzt worden, am Amtssitz des Bundespr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Ob er seine Lehre abschloss, wo er studierte, was hinter seiner Offizierslaufbahn steht \u2013 all das teilt Neumann nicht mit. Besonders fragw\u00fcrdig ist seine Angabe, er habe schon 1989 beim \u201eGrenzschutz\u201c gearbeitet. Denn eine Organisation mit diesem Namen gab es erst etwas sp\u00e4ter, in den Wendewirren des Jahres 1990. Davor oblagen in der DDR die Grenzschutzaufgaben der zivilen Zollverwaltung, den milit\u00e4rischen Grenztruppen sowie, weit weniger bekannt, den Passkontrolleinheiten (PKE) des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit.<\/p>\n<p>Diese \u00fcbernahmen Aufgaben des Zolls und trugen zum Schein die Uniformen der Grenztruppen. Etliche PKE-Kr\u00e4fte aus dem Osten wurden in den BGS des Westens \u00fcbernommen, bis 1991 auffiel, dass es sich um ehemalige Stasi-Leute handelt. Neumanns Arbeit beim BGS, der heute Bundespolizei hei\u00dft, war 1992 schon wieder vorbei. Warum er so schnell aus dem Polizeidienst ausschied? Das sagt er, der im aktuellen Wahlkampf f\u00fcr mehr Transparenz wirbt, nicht.<\/p>\n<p>Danach war er Verwaltungsbeamter in M\u00fcnchen, wurde in k\u00fcrzester Zeit durch mindestens f\u00fcnf verschiedene \u00c4mter der bayrischen Landeshauptstadt gereicht. Es schloss sich ein Aufbaustudium zum \u201ePublic Relations-Berater\u201c an, dann folgten von 1996 bis 2011 langj\u00e4hrige Auslandsaufenthalte in Russland und der Ukraine. Dort will er als PR-Berater t\u00e4tig gewesen sein. Seine Arbeit- und Auftraggeber benennt er nicht, wom\u00f6glich handelt es sich um eine anthroposophische Stiftung.<\/p>\n<p>Als er 2011 nach Leipzig zur\u00fcckkehrte, wurde er \u201eUnternehmer\u201c. Auch dazu sind seine Angaben sparsam. Einmal gab er an, er sei ein \u201eUnternehmer, der ausl\u00e4ndische Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft in Mitteldeutschland tempor\u00e4r eingliedert\u201c. Tats\u00e4chlich ist er der Inhaber einer sogenannten Relocation-Agentur (\u201eRealdomus\u201c). Sie tut, was die AfD bek\u00e4mpft, und hilft Ausl\u00e4nder*innen bei der Einwanderung. Die Gesch\u00e4fte seines \u201eUnternehmens\u201c, wie er es nennt, auch wenn es nur ein Einzelgewerbe ist, laufen parallel zu seinem Bundestagsmandat weiter. In den beiden vergangenen Jahren erzielte er dadurch ein erhebliches Zusatzeinkommen, jeweils im f\u00fcnfstelligen Bereich.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Umtriebiger Parteiarbeiter<\/span><\/h3>\n<p>Der AfD trat Neumann Anfang 2014 bei, \u201edamit die deutschen Kulturwerte kein Opfer der kapitalen Globalisierung werden\u201c, wie er sagt. Seitdem geh\u00f6rt er zum Leipziger Kreisverband, ist heute in der Ortsgruppe Ost aktiv. Gleich zu Beginn seiner Parteilaufbahn versuchte er, ein Mandat zu ergattern. Als Kandidat zur Stadtratswahl im Fr\u00fchjahr 2014 scheiterte er aber krachend, nur rund sechs Prozent kamen in seinem Wahlkreis zusammen. Nicht viel besser lief es drei Monate sp\u00e4ter als Direktkandidat zur Landtagswahl, diesmal waren es 6,5 Prozent. Neumann war einfach niemand, den man sich merken muss, so schien es zumindest von au\u00dfen.<\/p>\n<p>Von innen gesehen ist er einer, der als ausgesprochen flei\u00dfiger Parteiarbeiter gilt. Als Delegierter war er bei zahlreichen Kreis-, Landes- und Bundesparteitagen zu sehen. Sein wenig bekannter Aufstieg innerhalb der AfD gelang ihm in der Fr\u00fchphase der Partei \u2013 in einer Zeit, in der noch nicht klar war, ob ihr ein langes Leben beschieden sein wird, in der sie noch kein Programm hatte, sich von Wahl zu Wahl hangeln musste. In dieser Situation fand Neumann seinen Platz.<\/p>\n<p>F\u00fcr die systematische Programmarbeit schuf die AfD damals interne Fachaussch\u00fcsse. Wenige Monate nach seinem Beitritt wurde Neumann Leiter des gerade im s\u00e4chsischen Landesverband neu gebildeten Ausschusses Nummer 1, zust\u00e4ndig f\u00fcr die \u201eInternationale Verantwortung Deutschlands\u201c. Mit der Au\u00dfen-, Sicherheits-, Asyl- und Entwicklungspolitik befasst man sich dort.<\/p>\n<p>Ein Fachausschuss zum gleichen Thema existiert auf Bundesebene, auch dort mischt Neumann mit. Offenbar so erfolgreich, dass er bald darauf s\u00e4mtliche s\u00e4chsischen Fachaussch\u00fcsse koordinierte und 2015 Leiter der Landesprogrammkommission wurde. Im selben Jahr entsandte ihn der Landesverband als s\u00e4chsischen Vertreter in die Bundesprogrammkommission. Das Ringen um ein Parteiprogramm, an dem Neumann mitstrickte, pr\u00e4gte die AfD \u00fcber Jahre.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">\u201eFl\u00fcgel\u201c-nahe Positionen<\/span><\/h3>\n<p>Kaum durchblicken l\u00e4sst er jedoch, wo er innerparteilich steht. Nur zu einer AfD-nahen Vereinigung hat er sich bekannt, er ist Mitglied des sogenannten Mittelstandsforums. Dessen s\u00e4chsischer Verband entstand 2015, einer der Mitgr\u00fcnder war Hans-Holger Malcome\u00df. Der war in den 1990er Jahren in Dresden ein Anh\u00e4nger der verbotenen neonazistischen \u201eWiking-Jugend\u201c, heute leitet der Goldh\u00e4ndler die AfD-Bundesgesch\u00e4ftsstelle.<\/p>\n<p>Unter den s\u00e4chsischen Landtagsabgeordneten, bei denen Selbst\u00e4ndige und Unternehmer*innen stark \u00fcberrepr\u00e4sentiert sind, ist das Mittelstandsforum inzwischen die verbreitetste und einflussreichste parteinahe Organisation \u2013 neben dem v\u00f6lkisch-nationalistischen \u201eFl\u00fcgel\u201c um Bj\u00f6rn H\u00f6cke. Zum \u201eFl\u00fcgel\u201c hat sich Neumann nie \u00f6ffentlich eingelassen, aber auch nie distanziert. Erst gestern hat er f\u00fcr eine Wahlkampf-Veranstaltung seinen Bundestagskollegen Stephan Brandner nach Leipzig geholt. Er ist einer der Bundessprecher der Partei, ein ausgewiesener Scharfmacher, zudem ein enger Vertrauter H\u00f6ckes.<\/p>\n<p>Mit \u201eFl\u00fcgel\u201c-Anh\u00e4nger*innen umgibt sich Neumann auch sonst bedenkenlos. Sein aktueller Wahlkampfmanager Christian Kriegel, Fraktionsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Leipziger AfD-Stadtratsfraktion, war Referent bei einem Stammtisch der nationalistischen \u201ePatriotischen Plattform\u201c sowie Erstunterzeichner der Erfurter Resolution, des Gr\u00fcndungsdokuments der H\u00f6cke-Truppe. In Sachsen ist der \u201eFl\u00fcgel\u201c inzwischen konkurrenzlos, der Landesvorsitzende J\u00f6rg Urban geh\u00f6rt ihm genauso an wie der Generalsekret\u00e4r Jan Zwerg. Ihm zufolge z\u00e4hlen sogar 60 bis 70 Prozent aller s\u00e4chsischen AfD-Mitglieder zum \u201eFl\u00fcgel\u201c.<\/p>\n<p>Neumann bezog immer wieder Standpunkte, die dort gut ankommen d\u00fcrften. Als er kurz vor der Landtagswahl im vergangenen Jahr auf einem Podium vor Leipziger Sch\u00fcler*innen sprach, brachte er laut einem Bericht des Sachsen-Fernsehen \u201eobsolete und diskriminierende Rassenlehretheorien auf den Tisch\u201c. Bereits 2016 warnte er in einer AfD-Publikation vor einer \u201eLandnahme des Islam in unserer Heimat\u201c und verstieg sich in Gewaltphantasien: Werde die Regierung \u201emachtlos gegen\u00fcber den respektlosen Fremden bleiben, erleben wir bald eine revolution\u00e4re Phase.\u201c<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter gei\u00dfelte er die \u201eMasseneinwanderung von Moslems\u201c. Im Vorfeld der Bundestagswahl sagte er der Leipziger Volkszeitung, Muslime seien seiner Ansicht nach nicht bereit, die Sitten und Gebr\u00e4uche ihres Gastlandes zu respektieren. Sie k\u00f6nnten zu einer gro\u00dfen Gefahr werden, wenn sie sich organisierten: \u201eDiese Migranten sind im wehrf\u00e4higen Alter und kampferfahren. Wenn die in einer Nacht alle Bundeswehrkasernen \u00fcberfallen, sind wir Gefangene im eigenen Land.\u201c Neumann tr\u00e4umt den Fiebertraum aller Fremdenfeinde.<\/p>\n<p>Ein anderes Mal klang er eher wie ein waschechter Reichsb\u00fcrger. Eine \u201eechte Verfassung\u201c ben\u00f6tige Deutschland anstelle des Grundgesetzes, schrieb er. \u201eWir als souver\u00e4ner Staat haben aber immer noch ein Grundgesetz, welches am 12.04.1949 von den alliierten Siegerm\u00e4chten genehmigt wurde. Es ist an der Zeit, dass sich das deutsche Volk endlich selbst eine Verfassung gibt.\u201c<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Tuchf\u00fchlung mit Jobbik<\/span><\/h3>\n<p>Dass Neumann nicht nur bisweilen wie ein Rechtsausleger in einer Rechtspartei klingt, sondern sich wirklich ins Zeug legt, zeigt eine andere Episode. Vor einer Weile tourte er durch AfD-Verb\u00e4nde und berichtete dort \u00fcber eine \u201eBalkan-Reise\u201c, die s\u00e4chsische Mitglieder, Funktion\u00e4re und Abgeordnete der Partei im Fr\u00fchjahr 2016 unternommen haben. Ziel war es, so hei\u00dft es in einem Bericht des AfD-Kreisverbandes Leipzig, \u201esich vor Ort \u00fcber die erfolgten Grenzsicherungen\u201c auf der sogenannten Balkanroute zu informieren. Erkenntnis dabei: Zu \u201eordentlichen Grenzsicherungsma\u00dfnahmen\u201c seien besonders \u201eunsere ungarischen Freunde\u201c imstande. Orb\u00e1ns illiberale und migrationsfeindliche Politik, das ist bekannt, hat deutsche Rechte nachhaltig beeindruckt.<\/p>\n<p>Die Reise dauerte f\u00fcnf Tage. Sie f\u00fchrte durch \u00d6sterreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und schlie\u00dflich nach Ungarn. Dort entstand ein Foto vor einer Grenzanlage mit hohem Zaun und Stacheldraht. Zwei Landtagsmitglieder spannen davor eine AfD-Fahne auf, zu erkennen ist unter anderem Mario Beger, der auch aktuell im Landtag sitzt. Gleich daneben ist Christoph Neumann zu erkennen, der ein kleines F\u00e4hnchen mit dem Wappen der Stadt Leipzig vorzeigt.<\/p>\n<p>Was das Foto nicht zeigt: Die Gastgeber der Sachsen, die sogenannten ungarischen Freunde \u2013 das war nicht etwa Orb\u00e1ns Fidesz-Partei. Sondern es war die noch rechts davon stehende, antisemitische Konkurrenz namens Jobbik. Sie f\u00fchrte die AfD-Leute auch durchs ungarische Parlament. Mit dem damaligen Parteichef G\u00e1bor Vona sprach man sogar \u00fcber eine m\u00f6gliche Zusammenarbeit von Jobbik und AfD.<\/p>\n<p>Das brachte die Politurlauber nach ihrer R\u00fcckkehr in die Bredouille, weil die AfD offiziell einen Kontakt mit Jobbik ablehnt. Der Landtagsabgeordnete Beger ist deshalb auch durch Frauke Petry, damals Fraktionschefin, f\u00fcr die offenbar unabgesprochene Tour zurechtgewiesen worden und ver\u00f6ffentlichte eine Erkl\u00e4rung, in der er reum\u00fctig einr\u00e4umte, einen \u201eschweren Fehler\u201c begangen zu haben.<\/p>\n<p>Pressenachfragen, welche weiteren Kontakte die AfD-Delegation auf ihrer Reise hatte, wurden damals nicht beantwortet. Man habe \u201emehrere lokale Parlamentarier, B\u00fcrgermeister und Polizisten\u201c getroffen, hie\u00df es. Um wen genau es sich handelte und welchen Parteien diese Personen angeh\u00f6ren entziehe sich jedoch \u201eunserer detaillierten Kenntnis\u201c.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Hinterb\u00e4nkler im Bundestag<\/span><\/h3>\n<p>F\u00fcr Neumann, der es vermutlich detailliert wei\u00df, war die Reise folgenlos. Sie d\u00fcrfte sogar dazu beigetragen haben, seinen Ruf als Au\u00dfen- und Sicherheitspolitiker zu festigen, das Stadtmagazin Kreuzer nannte ihn gar einen \u201evolkstreuen Grenzfanatiker\u201c. Als er zur Bundestagswahl im September 2017 antrat, war es sein erkl\u00e4rtes Ziel, in den Verteidigungsausschuss zu kommen.<\/p>\n<p>In den Bundestag hat er es geschafft. Gut 20 Prozent der Erststimmen erhielt er diesmal als Direktkandidat. Das reichte zwar auch nicht, aber er war durch einen g\u00fcnstigen Listenplatz abgesichert. Seitdem ist Neumann Abgeordneter, und glaubt man seiner Website, ist er sogar wie geplant Mitglied im Verteidigungsausschuss geworden. In Wirklichkeit ist er dort aber nur Stellvertreter und an den Sitzungen in der Regel gar nicht beteiligt. Stattdessen ist er Mitglied im Tourismusausschuss, wo die Materie weniger kontrovers ist.<\/p>\n<p>Ansonsten ist Neumann im Bundestag so unauff\u00e4llig wie nur m\u00f6glich, ein Hinterb\u00e4nkler. Man sieht das auch daran, dass er im Parlamentsplenum bis heute nur eine einzige Rede hielt. In seinem Bundestagsb\u00fcro besch\u00e4ftigt er unter anderem Felix Tessenow. Ein Mann mit diesem Namen ist in Leipzig bekannt als Burschenschafter und als Gesch\u00e4ftspartner von Christian Pohle. Der wiederum ist ein Kampfsportler, der in Leipzig (\u201eFighting Catwalk\u201c) und Eilenburg (\u201eCrash Style Store\u201c) Gesch\u00e4fte f\u00fcr Sportbekleidung er\u00f6ffnet und dort Klamotten rechter Szenemarken verkauft hat.<\/p>\n<p>Neumann betreibt zudem ein eigenes Wahlkreisb\u00fcro in Leipzig, gelegen im Zentrum-S\u00fcd, Emilienstra\u00dfe 15. Das ist zugleich Adresse der Gesch\u00e4ftsstelle der Leipziger AfD. Ein Mitglied des Kreisvorstandes, der sich dort trifft, ist Holger Hentschel \u2013 Neumann stellte ihn als B\u00fcroleiter an. Seit kurzem hat Hentschel einen neuen Job, er ist Landtagsabgeordneter geworden, mithilfe eines vorderen Listenplatzes.<\/p>\n<p>Eine der sogenannten Vertrauensleute bei der Aufstellung der Landesliste, bei der Hentschel gut wegkam, war Christoph Neumann gewesen, was k\u00fcnftig nochmal ein Thema werden k\u00f6nnte. Denn wegen schwerer Fehler bei der Aufstellung der Liste wurde sie gekappt, nicht alle vorgesehenen Kandidat*innen der Partei durften letztlich antreten. Zu dem Thema hat die AfD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag inzwischen einen Untersuchungsausschuss einsetzen lassen, man f\u00fchlt sich benachteiligt. Zu den Vorg\u00e4ngen rund um die verpatzte Listenaufstellung hat sich Neumann bislang nicht \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Kaum Erfahrung in der Kommunalpolitik<\/span><\/h3>\n<p>Daf\u00fcr gelang inzwischen, was ihm lange verwehrt blieb, der Einzug in den Leipziger Stadtrat, ein halbes Jahrzehnt, nachdem er es zum ersten Mal versucht hatte. Im Mai vergangenen Jahres ergatterte er in seinem Wahlkreis satte 18,3 Prozent. Seitdem erst sammelt er kommunalpolitische Erfahrung. Darauf st\u00fctzt er sich, wenn er annimmt, zum Oberb\u00fcrgermeister zu taugen.<\/p>\n<p>Wer auf seiner Website nachschl\u00e4gt, erf\u00e4hrt zwar, dass er \u201eseit 2015\u201c im Kinder- und Familienbeirat des Stadtrates sitzt. Aber das ist kein Gremium, das entscheidet, sondern eines, das ber\u00e4t, und Neumann hatte dort kein Wahlamt. Seine Mitgliedschaft im Beirat endete im Oktober 2019. Mit Kinder- und Familienpolitik hat er die ganze Zeit \u00fcber nicht von sich reden gemacht. Die Akzente, die er setzt, sind viel kleiner und eitler: Seit einer Weile schreibt er bei seinem Vornamen die ersten beiden Buchstaben gro\u00df. Er hei\u00dft jetzt \u201eCHristoph\u201c. Sein Allerweltsname wird damit etwas origineller.<\/p>\n<p>Das kann man von der Agenda nicht sagen, mit der er f\u00fcr den Fall wirbt, dass er Oberb\u00fcrgermeister werden sollte. Er m\u00f6chte \u201eVerm\u00fcllungen im \u00f6ffentlichen Raum und Graffiti-Schmierereien\u201c beseitigen sowie kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen st\u00e4rken. Weiter ins Detail geht er nicht. \u201eNeu statt jung\u201c hei\u00dft einer seiner Slogans, ein Wortspiel mit dem Namen des Amtsinhabers. Ein anderer Spruch lautet: \u201eLeipzigs neuer Mann\u201c. Was genau will er neu machen? Auf seiner Website steht zwar, dass er den \u00f6ffentlichen Personennahverkehr irgendwie verbessern m\u00f6chte. Aber das vieldiskutierte Modell eines 365-Euro-Tickets lehnt er ab. Und zwar, so zitierte ihn die Leipziger Volkszeitung, weil \u201evor allem diejenigen davon profitieren, die keine Steuern zahlen\u201c.<\/p>\n<p>Bei der kommenden Wahl wird der Spitzenverdiener Neumann aller Voraussicht nach chancenlos sein. Der erste Wahlgang findet am 2. Februar statt, bei gerade einmal zehn Prozent sieht ihn eine aktuelle Umfrage \u2013 knapp 15 Prozent hatte die AfD zur letzten Stadtratswahl geschafft. Etwa ein Viertel derer, die sich derzeit als AfD-W\u00e4hler*innen bezeichnen, will das Kreuz nicht beim eigenen Kandidaten machen. In der Altersgruppe unter 30 Jahren erf\u00e4hrt Neumann noch weniger Zuspruch. Er liegt nahe Null.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Neumann sitzt f\u00fcr die AfD im Bundestag, demn\u00e4chst will er in Leipzig Oberb\u00fcrgermeister werden. In der Messestadt ist er aber kaum bekannt. 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