{"id":1352,"date":"2020-04-23T15:11:31","date_gmt":"2020-04-23T13:11:31","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1352"},"modified":"2020-04-23T15:27:52","modified_gmt":"2020-04-23T13:27:52","slug":"unangemeldeter-afd-protest-in-pirna-initiator-ist-polizeibeamter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1352","title":{"rendered":"Unangemeldeter AfD-Protest in Pirna: Initiator ist Polizeibeamter"},"content":{"rendered":"<p>In Pirna kam es gestern zu einer unangemeldeten Versammlung gegen die Corona-Schutzma\u00dfnahmen. Mobilisiert wurde im AfD-Spektrum, vor Ort stellte sich Steffen Janich als Versammlungsleiter zur Verf\u00fcgung. Der sitzt f\u00fcr die Partei im Kreistag \u2013 und arbeitet f\u00fcr die Polizei. Die musste sich durch Anwesende \u00fcbel beschimpfen lassen. Jetzt wird ermittelt.<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<p>Ohne Anmeldung haben am Mittwochabend am Rathaus in Pirna (Landkreis S\u00e4chsische Schweiz-Osterzgebirge) insgesamt 180 Menschen demonstriert. Sie folgten einem Aufruf, der unter anderem in AfD-Kreisen verbreitet wurde. Einer der Initiator*innen war offenbar Steffen Janich, der f\u00fcr die AfD im Kreistag sowie im Gemeinderat seines Wohnortes Dohma sitzt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Anmeldung unterlassen, Auflagen ignoriert<\/span><\/h3>\n<p>Janich hatte bei Facebook bereits in der vergangenen Woche und sp\u00e4ter nochmals &#8222;meinen Spaziergang&#8220; angek\u00fcndigt. Mobilisiert wurde auch \u00fcber Messengerdienste, wo von einem &#8222;stillen Spaziergang&#8220; die Rede war, bei dem man &#8222;f\u00fcr unsere Grundrechte&#8220; demonstrieren will. Offenbar kritisierte man die Schutzma\u00dfnahmen gegen die Corona-Pandemie. Eine auch in normnalen Zeiten obligatorische Anmeldung lag nicht vor. Vor Ort warteten daher bereits Polizei und Ordnungsamt, um die Lage zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<p>Als sich gegen 19 Uhr tats\u00e4chlich Menschen versammelten, ging die Versammlungsbeh\u00f6rde auf Janich zu: Gew\u00e4hren lassen w\u00fcrde man das Treffen nur, wenn die Anmeldung nachgeholt wird. Dazu erkl\u00e4rte sich Janich bereit, der daraufhin umfangreiche Auflagen akzeptieren und durchsagen musste. So sollte es maximal 50 Beteiligte geben, die namentlich erfasst und mit einem Mundschutz ausgestattet werden m\u00fcssen. Au\u00dferdem durfte nur eine station\u00e4re Kundgebung ohne Marschroute abgehalten werden. Daran hielt sich aber niemand, die Anwesenden umrundeten das Rathaus, kaum jemand trug Mundschutz, Abstandsregeln wurden nicht befolgt, Desinfektionsmittel gab es nicht.<\/p>\n<p>Vielmehr wurden &#8222;fortlaufend Verst\u00f6\u00dfe gegen die Beschr\u00e4nkungen&#8220; registriert, teilte die Polizei, die nicht eingeschritten ist, im Nachhinein mit. Durchsagen der Beamt*innen blieben fruchtlos, stattdessen wurden sie beschimpft \u2013 nach Angaben der <i>S\u00e4chsischen Zeitung<\/i> unter anderem als \u201eMerkel-Schergen\u201c und \u201eWichser\u201c. Auch gegen Janich richtete sich der Unmut, der immer noch damit besch\u00e4ftigt war, den Auflagenkatalog zu verlesen. Daf\u00fcr brauchte er eine halbe Stunde, so lange, wie die Versammlung h\u00f6chstens dauern durfte. Nachdem ihm die zwangsweise Aufl\u00f6sung angek\u00fcndigt wurde, beendete er die Versammlung selbst. Danach beruhigte sich die Lage.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Namhafte AfD-Anh\u00e4nger*innen vor Ort<\/span><\/h3>\n<p>Neben Janich waren weitere Mandatr\u00e4ger und Funktion\u00e4re der AfD vor Ort, darunter der Pirnaer Stadtrat Tim Lochner und Lothar Hoffmann, ein Fraktionskollege Janichs im Kreistag. Lochner steht der Gruppe &#8222;Pro Patria Pirna&#8220; nahe, die zum neofaschistischen &#8222;Ein Prozent&#8220;-Netzwerk geh\u00f6rt. Der ehemalige Friedensrichter Hoffmann sprach in der Vergangenheit bereits bei Pegida und arbeitete mit der NPD in der rassistischen Initiative &#8222;Demokratischer Aufbruch S\u00e4chsische Schweiz&#8220; zusammen. Heute ist er Kreisvorsitzender der AfD, zu seinem Vorstand geh\u00f6ren mit Andr\u00e9 Barth und Ivo Teichmann gleich zwei Landtagsabgeordnete.<\/p>\n<p>Zu dem &#8222;Spaziergang&#8220; in Pirna hatte kaum verklausuliert auch die extrem rechte Initiative &#8222;Heidenauer Wellenl\u00e4nge&#8220; aufgerufen, der zufolge man sich treffen wollte, um &#8222;ein Eis essen&#8220; zu gehen. Hinter der Initiative steht Madeleine Feige. Sie war bereits <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1304\">am vergangenen Montag am Rande einer &#8222;Pro Chemnitz&#8220;-Versammlung<\/a> aufgefallen, wo sie von der Polizei abgef\u00fchrt worden ist. Feige, die schon an zahlreichen braunen Protestaktionen beteiligt war, ist eine amtsbekannte Rechtsextremistin. Sie bewegt sich seit Jahren im AfD-Umfeld, in ihrem Verein &#8222;Zukunft braucht Bildung&#8220; wurde Thomas Kirste stellvertretender Vorsitzender. Auch er ist ein Landtagsabgeordneter der AfD.<\/p>\n<p>Einen Sitz im Parlament hatte auch Janich angestrebt. Bei der Auswahl der Direktkandidat*innen unterlag der 49-J\u00e4hrige jedoch gegen Jan Zwerg. Bei der Aufstellung der Landesliste kam er auf Platz 32 und verpasste damit den Einzug in den Landtag. In dessen Wahlpr\u00fcfungsausschuss ist inzwischen eine Beschwerde Janichs anh\u00e4ngig. Innerparteilich hatte er f\u00fcr sich geworben mit der Idee, &#8222;unserer Jugend von Kindheit an ein konservatives Weltbild zu vermitteln, welches sich an den traditionellen deutschen Gepflogenheiten orientiert.&#8220;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Ermittlungen gegen Janich<\/span><\/h3>\n<p>Geh\u00f6rt dazu auch der Rechtsbruch? Die Polizei hat nun von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren gegen Janich eingeleitet. Der Verdacht: Versto\u00df gegen das Versammlungsgesetz. Zudem gibt es ein Disziplinarverfahren der s\u00e4chsischen Polizei \u2013 wo Janich, der gelernte Klempner, als Schutzpolizist t\u00e4tig ist. Er leitet zudem eine Abteilung des Pirnaer Polizeisportvereins. Au\u00dferdem wird gepr\u00fcft, ob &#8222;ein Verbot der Dienstgesch\u00e4fte ausgesprochen wird&#8220;. <i>idas<\/i> liegen Unterlagen vor, die zeigen, dass Janich als Zugf\u00fchrer der Bereitschaftspolizei in der Vergangenheit auch an Eins\u00e4tzen gegen die rechte Szene beteiligt war.<\/p>\n<p>In diesem Spektrum ist er nun selbst gelandet: Er h\u00e4ngt dem verfassungsfeindlichen Fl\u00fcgel an. Zum letzten Kyffh\u00e4user-Treffen der v\u00f6lkisch-nationalistischen Str\u00f6mung konnte er nur deshalb nicht anreisen, weil er Dienst hatte. Sein paralleles Engamement bei Polizei und AfD ist allerdings schon lange bekannt: Janich, der fr\u00fcher bei der CDU aktiv war, trat der Partei unmittelbar nach ihrer Gr\u00fcndung bei und erhielt die Mitgliedsnummer 235. Er baute die Parteistrukturen im Landkreis mit auf und wurde dort erster Kreisvorsitzender, sp\u00e4ter Regionalverantwortlicher f\u00fcr Pirna. Anf\u00e4nglich war er au\u00dferdem f\u00fcr die Mitgliederverwaltung der s\u00e4chsischen AfD mitzust\u00e4ndig. Das war ein eher gl\u00fcckloses Unterfangen, da der komplette Datensatz im Internet landete.<\/p>\n<p>Seine Parteiarbeit stellte Janich damals schon nach kurzer Zeit wieder ein, nach eigenen Angaben, weil er mit dem &#8222;F\u00fchrungsstil der Landeschefin&#8220; Frauke Petry unzufrieden war. Tats\u00e4chlich h\u00e4tte er unter ihr stellvertretender Landesvorsitzender werden k\u00f6nnen, schlug diese M\u00f6glichkeit aber aus. Anfang 2018, nachdem Petry gegangen war, kehrte er in die Arme der AfD zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Pirna kam es gestern zu einer unangemeldeten Versammlung gegen die Corona-Schutzma\u00dfnahmen. 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