{"id":1304,"date":"2020-04-21T18:14:04","date_gmt":"2020-04-21T16:14:04","guid":{"rendered":"http:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1304"},"modified":"2020-04-21T18:18:02","modified_gmt":"2020-04-21T16:18:02","slug":"unter-den-augen-der-afd-rangeleien-bei-kundgebung-von-pro-chemnitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1304","title":{"rendered":"Unter den Augen der AfD: Rangeleien bei Kundgebung von &#8222;Pro Chemnitz&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>In Chemnitz haben Anh\u00e4nger*innen der extremen Rechten am Montag eine turbulente Minikundgebung durchgef\u00fchrt. Unter den zahlreichen schaulustigen Sympathisant*innen waren mehrere AfD-Politiker. Einer wollte vor Ort eine eigene Demonstration starten, gegen zwei andere musste die Polizei einschreiten.<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #1e73be\">\u2193<\/span><\/p>\n<p>Die Rechten waren nie weg, gleich nach den ersten Corona-Lockerungen stehen sie wieder auf der Stra\u00dfe: Die Lokalpartei und selbsternannte B\u00fcrgerbewegung &#8222;Pro Chemnitz&#8220; <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=1232\">hat zu einer Kundgebung unter dem Motto &#8222;Wir wollen raus! Staatliche Willk\u00fcr beenden!&#8220; getrommelt<\/a>. Ein Gericht erlaubte das Spektakel zum Hitlergeburtstag, am Ende gab es einen Tumult. Parallel konnte in Dresden eine Pegida-Versammlung abgehalten werden, dank Sondergenehmigung der Stadt.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Wirre Reden auf der B\u00fchne<\/span><\/h3>\n<p>Mit lediglich 15 Teilnehmenden und abgeschirmt durch ein starkes Polizeiaufgebot durfte die extrem rechte W\u00e4hlergruppe &#8222;Pro Chemnitz&#8220; gestern vor dem Karl-Marx-Monument eine Kundgebung &#8222;gegen die Corona-Diktatur&#8220; durchf\u00fchren. Am vergangenen Mittwoch war die Anmeldung beim st\u00e4dtischen Ordnungsamt eingegangen, von bis zu 500 Beteiligten war man da noch ausgegangen. Seitdem wurde auf der Facebook-Seite von &#8222;Pro Chemnitz&#8220; mithilfe eines Aufrufs mobilisiert, den ein &#8222;\u00fcberregionales B\u00fcndnis&#8220; trug. Ihm geh\u00f6rten neben namhaften NPD-Funktion\u00e4ren auch zwei erzgebirgische AfD-Kommunalpolitiker an: Jan Fritzsche, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Stadtrat von Stollberg, sowie der parteilose Matthias Henke, der auf einem AfD-Ticket in den Stadtrat von L\u00f6\u00dfnitz eingezogen war.<\/p>\n<p>Die Stadt Chemnitz hatte die Versammlung zun\u00e4chst unter Verweis auf das Infektionsschutzgesetz und die darauf gegr\u00fcndeten Kontaktbeschr\u00e4nkungen untersagt, die aktuell geltende Corona-Schutz-Verordnung verbietet Versammlungen jeglicher Art und Gr\u00f6\u00dfe. Dagegen wandte sich &#8222;Pro Chemnitz&#8220; mit einem Eilantrag an das \u00f6rtliche Verwaltungsgericht und konnte sich auf inzwischen vorliegende Urteile st\u00fctzen, denen zufolge Ausnahmen m\u00f6glich sind. In einer kurzfristigen Entscheidung hob das Verwaltungsgericht das Verbot auf und erlaubte die Durchf\u00fchrung unter strengen Auflagen: Die wenigen zul\u00e4ssigen Teilnehmenden mussten namentlich erfasst werden und auf eine Marschroute verzichten. Vorgeschrieben waren Mundschutz und Mindestabstand. Auch der Zeitrahmen wurde deutlich eingeschr\u00e4nkt \u2013 nach einer guten halben Stunde war die Minikundgebung genau um 18.30 Uhr schon wieder vorbei.<\/p>\n<p>Bis dahin hatten der Versammlungsleiter Robert Andres, der Oberb\u00fcrgermeister werden will, sowie &#8222;Pro Chemnitz&#8220;-Fraktionschef Martin Kohlmann gesprochen, au\u00dferdem Stefan Hartung, der im Landesvorstand der NPD sitzt. Auf einer improvisierten B\u00fchne beklagten sie wiederholt die angeblich Willk\u00fcr bei der Pandemiebek\u00e4mpfung, angereichert mit bizarren Thesen wie der, dass B\u00fcrger*innen &#8222;Zwangsimpfungen&#8220; ausgesetzt seien. Immer wieder wurde auch die Polizei angesprochen und unter anderem als &#8222;Wegbereiter des neuen Faschismus&#8220; tituliert. Von Fritzsche und Henke war dort nichts zu sehen, daf\u00fcr andere bekannte Gesichter wie Jens Lorek, der als Ordner eingesetzt wurde. Der Dresdner Anwalt war in den vergangenen Jahren h\u00e4ufig bei Pegida und verschiedenen rassistischen Protestaktionen aufgetaucht. Zuletzt geh\u00f6rte er zur Entourage des <a href=\"https:\/\/idas.noblogs.org\/?p=85\">ehemaligen AfD-Politikers Andr\u00e9 Poggenburg<\/a> und dessen nationalsozialistischer Abspaltung &#8222;Aufbruch deutscher Patrioten&#8220;.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">AfD-Politiker waren mehr als &#8222;Beobachter&#8220;<\/span><\/h3>\n<p>Bei den 15 erlaubten Teilnehmenden blieb es nicht. Nach verschiedenen Sch\u00e4tzungen hatten sich im unmittelbaren Umfeld zwischen 150 und 300 Personen unerlaubt getroffen, teils ausgestattet mit Transparenten und Schildern, \u00fcberwiegend dicht gedr\u00e4ngt. Sie stimmten wiederholt in Sprechch\u00f6re ein (&#8222;Wir sind das Volk&#8220;, &#8222;Widerstand&#8220;), sympathisierten offensichtlich mit den &#8222;Pro Chemnitz&#8220;-Anliegen und bep\u00f6belten die Polizei. Auch mehrere AfD-Politiker waren anwesend. Darunter befand sich mit dem Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme der Oberb\u00fcrgermeister-Kandidat der Partei. Hinzu kamen die beiden Stadtr\u00e4te Nico K\u00f6hler und Lars Kuppi sowie dessen Mitarbeiter Leon Kozma, der bei der verfassungsfeindlichen Jungen Alternative aktiv ist.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">150 Menschen folgten heute in <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Chemnitz?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Chemnitz<\/a> einem Kundgebungsaufruf von Pro Chemnitz- und NPD-Funktion\u00e4ren. Viele Rechtsextreme verstie\u00dfen gg. Schutzauflagen. Die Polizei nahm Personalien von JournalistInnen auf und erteilte einer <a href=\"https:\/\/twitter.com\/democ_de?ref_src=twsrc%5Etfw\">@democ_de<\/a>-Mitarbeiterin einen Platzverweis. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/c2004?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#c2004<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/fa9JBpF7UI\">pic.twitter.com\/fa9JBpF7UI<\/a><\/p>\n<p>&mdash; democ (@democ_de) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/democ_de\/status\/1252332895072641024?ref_src=twsrc%5Etfw\">April 20, 2020<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Die AfD-Stadtratsfraktion behauptete hinterher, dass &#8222;einzelne Mitglieder&#8220; lediglich als &#8222;Beobachter&#8220; im Umfeld der Versammlung pr\u00e4sent gewesen seien. Doch zumindest bei Kuppi, der auch im Landtag sitzt und von Beruf Polizeibeamter ist, war das nicht der Fall: Er versuchte, vor Ort eine weitere Versammlung anzumelden, blitzte bei seinen uniformierten Kollegen aber ab. Sie waren mit zwei Hundertschaften vor Ort und forderten sie Schaulustigen mit Lautsprecherdurchsagen insgesamt vier Mal auf, sich zu zerstreuen und den Bereich zu verlassen. Kurz vor dem Ende der offiziellen Versammlung griffen die Beamt*innen durch, verteilten erst Platzverweise und r\u00e4umten dann die Stra\u00dfen. Dabei f\u00fchrten sie Kozma zu einer Personalienfeststellung ab und dr\u00e4ngten K\u00f6hler beiseite. Auch dessen Daten wurden anschlie\u00dfend notiert.<\/p>\n<p>Im Zuge der Rangeleien verteilte die Polizei insgesamt 40 Anzeigen wegen mutma\u00dflicher Verst\u00f6\u00dfe gegen die S\u00e4chsische Corona-Schutz-Verordnung, die als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden und eine Geldstrafe nach sich ziehen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem wurden einige Strafanzeigen gefertigt, mehrfach wegen Widerstands gegen die R\u00e4umung, au\u00dferdem wegen eines Flaschenwurfs auf die Polizei und weil ein sogenannter K\u00fchnengru\u00df gezeigt wurde, eine gleichfalls verbotene Abwandlung des Hitlergru\u00dfes. Dass sich &#8222;Pro Chemnitz&#8220; ausgerechnet am 20. April traf, an Hitlers Geburtstag, mag vielen Anwesenden klar gewesen sein. Unterdessen regte sich Kritik am Vorgehen der Polizei, da sie auch die Personalien mehrerer Journalist*innen aufnahm und mindestens einer Reporterin einen Platzverweis erteilte.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #1e73be\">Ruhiger Ablauf in Dresden<\/span><\/h3>\n<p>Im Nachgang umstellte die Polizei ein Geb\u00e4ude in der Brauhausstra\u00dfe im Chemnitzer Zentrum. Dort sitzt die Rechtsanwaltskanzlei Kohlmanns, dessen juristische Expertise auch in AfD-Kreisen schon gefragt war. Zudem handelt es sich um einen Szenetreffpunkt \u2013 sowohl f\u00fcr &#8222;Pro Chemnitz&#8220;, als auch f\u00fcr Neonazis. Kohlmann und Andres hatten der Kameradschaft &#8222;Nationale Sozialisten Chemnitz&#8220; nahegestanden, die 2014 verboten worden ist. In diesem Milieu ist Andres noch immer aktiv, er veranstaltet sogenannte Zeitzeugenvortr\u00e4ge f\u00fcr ein ausgesprochen braunes Publikum. Gast der Beiden war gestern unter anderem der NPD-Mann Stefan Hartung. M\u00f6glicherweise eine unerlaubte Zusammenkunft, befand die Polizei, die vor verschlossenen T\u00fcren stand. Sie entschied, dass Hartung und Co. das Haus verlassen m\u00fcssen. &#8222;Pro Chemnitz&#8220; hat bereits angek\u00fcndigt, wiederzukommen und demn\u00e4chst erneut eine Versammlung abzuhalten.<\/p>\n<p>Fast zeitgleich wurde gestern auch in Dresden protestiert, bei Pegida auf dem Neumarkt. Das rassistische B\u00fcndnis durfte sich ebenfalls mit maximal 15 Teilnehmenden versammeln, gekommen sind elf. Nach einer guten Viertelstunde war alles wieder vorbei. Im Vorfeld hatte Pegida von der Stadt eine Ausnahmegenehmigung erhalten, offenbar die erste dieser Art in Sachsen. Sie war zun\u00e4chst gro\u00dfz\u00fcgig bemessen und h\u00e4tte sogar 80 Personen zugelassen \u2013 die Versammlungsbeh\u00f6rde der Stadt ist seit Jahren als Rechten-freundlich verschrien. Nach \u00f6ffentlicher Emp\u00f6rung und auf Veranlassung des Oberb\u00fcrgermeisters wurde die Entscheidung nochmals gepr\u00fcft, auch anhand des Urteil des Chemnitzer Gerichts zur dortigen Versammlung.<\/p>\n<p>Daraufhin wurde die zul\u00e4ssige Zahl der Teilnehmenden bei Pegida auf 15 abgesenkt, so viele, wie derzeit h\u00f6chstens an einem Gottesdienst, einer Trauung oder einer Beerdigung teilnehmen d\u00fcrfen. Urspr\u00fcnglich hatte sich Pegida sogar mit knapp 1000 Leuten treffen wollen, dann sollte es ein &#8222;Schweigemarsch&#8220; mit 500 Personen werden. Am Ende blieb es in der kleinen Runde vergleichsweise ruhig, mehrere dutzend Sympathisant*innen standen allerdings au\u00dferhalb des Versammlungsgel\u00e4ndes. Dazu hatte der Pegida-Anf\u00fchrer Lutz Bachmann vorab aufgerufen. Er selbst war nicht vor Ort, seine Wahlheimat Teneriffa darf er aktuell nicht verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Chemnitz haben Anh\u00e4nger*innen der extremen Rechten am Montag eine turbulente Minikundgebung durchgef\u00fchrt. Unter den zahlreichen schaulustigen Sympathisant*innen waren mehrere AfD-Politiker. 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